Wer ist Grimes? Surrealistischer Yuppie, urbane Fee, kriegerische Dichterin, Pflanzenfresserin und Kunst-Engel - so beschreibt sich Claire Boucher alias Grimes selbst auf ihrem Blog. Wir machen es kürzer: Sie ist der perfekte Popstar im Jahr 2015.

Für Claire Boucher ist die Sache klar: Grimes, das ist eine Rolle, in die sie immer wieder schlüpft. Ganz praktisch, denn eigentlich ist sie viel zu schüchtern, um das zu tun, was sie tut, sagt sie. Was das ist? Da ist natürlich die Musik. Außerdem führt sie noch bei ihren Videos Regie und hat ein Faible für Mode und Comics. Und das ist nur der Anfang.

"I engineered a Pop Star. If that makes any sense. But I use myself. I directed all the videos, I did all the album-art, I wrote all the songs, I produced all the songs. I created a company like a brand which is Grimes which is my Life I guess."
Claire Boucher - Grimes

Claire Boucher kommt aus der Do It Yourself-Szene, fühlt sich aber auch im Pop zu Hause. In ihrem Kinderzimmer hing das Marilyn-Manson-Poster neben dem von Britney Spears. Sie liebt Nine Inch Nails, Tool - und Mariah Carey.

14.6k Likes, 1,018 Comments - Grimezsz (@grimes) on Instagram: "artwork by grimes"
artwork by grimes

Und auch optisch steht sie auf Stilmix: Grimes kombiniert Designer-Handtaschen mit unförmigen Jacken in Tarnfarben. An ihren tätowierten Händen trägt sie opulenten Schmuck und ihre Haare, die immer wie selbst geschnitten aussehen, hatten vermutlich schon jede Farbe. In Foto-Shootings und Videos inszeniert sich Grimes wie eine Mischung aus Alice im Wunderland, Nonne, Marie Antoinette auf LSD und HipHop-Gangster. Ein Fabelwesen der Gegensätze, verletzlich und stark, schön und hässlich, unnahbar und durchlässig.

"If there is things in something that I hate that are inspiring to me - that’s almost the best thing. If I’m like: This is horrible but there is this one little thing in there that I like and I can pull that out - that’s the best way to innovate."
Claire Boucher - Grimes

Grimes hat eine ganz eigene Art, Neues zu schaffen: Sie nimmt etwas, dass sie eigentlich gar nicht mag - und verkehrt es ins Gegenteil. Ihre ersten beiden Alben "Geidi Primes" und "Halifaxa" veröffentlichte sie 2010 selbst im Netz. Sie nahm sie zu Hause auf, einfach so, ohne wirkliches Ziel. Die Blogs stürzten sich trotzdem drauf und spätestens mit dem dritten Album "Visions" war Grimes ein Liebling der Kritiker. An ihrer Produktionsweise hat sich trotzdem nichts geändert. Statt sich mit Star-Produzenten in teure Studios einzumieten, bleibt Grimes lieber allein in ihrem Home-Studio und spielt die Instrumente selber ein. Am liebsten nachts. So ist das auch auf ihrem neuen Album "Art Angels". Eine ihrer wichtigsten Kommunikations-Plattformen bleibt - neben ihrer Musik - ihr Blog.

19.2k Likes, 211 Comments - Grimezsz (@grimes) on Instagram
Instagram post by Grimezsz * Nov 5, 2015 at 5:33am UTC

Dass sie lieber autark arbeitet, hat nichts damit zu tun, dass sie keine Lust auf das Pop-Business an sich hat. Sie ist beim Indie-Label 4AD unter Vertrag, der Heimat von Bands wie The National und Future Islands. Die Kunstfigur Grimes setzt weder auf das melancholische Image einer Lana del Rey, sie muss sich nicht über-inszenieren wie Lady Gaga oder sexualisieren wie Beyoncé. Sie ist ganz selbstverständlich, wer sie ist: So nahbar wie eine gute Freundin und gleichzeitig ein Performance-Monster, das gegen jede Form von Anpassung rebelliert. Oder um es kurz zu machen: das coolste Mädchen der Welt.