Was in den Arbeitsverträgen steht, ist in Werbeagenturen meist Makulatur. Die 40-Stunden-Woche gilt eher als Synonym für den spießigen Angestellten. Kreativarbeiter kommen damit längst nicht hin. Denn Kreativität ist Teamwork. Das Büro mutiert schnell zum Ersatz-Wohnzimmer, die Arbeitskollegen zur Familienalternative. Wer will da schon früher nach Hause?

Stefan* ist bereits da angelangt, wo viele Neulinge in der Werbebranche noch hinwollen. Nach oben. Überstunden sind für ihn völlig normal, 55 Stunden in fünf Arbeitstagen eher die Regel als die Ausnahme. Wenn ein Pitch ansteht, also ein neuer Kunde an Land gezogen werden soll, geht auch schon mal das Wochenende dabei drauf.

Bezahlt werden die Überstunden meistens nicht. Auch Überstundenabbau durch Freizeitausgleich ist selten. Wann auch, der nächste Werbedeal wartet bereits auf seine Umsetzung. Der Lohn ist im besten Fall der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Wer hingegen auf die Regelarbeitszeit pocht oder sich nicht engagiert, der fällt schnell negativ auf und hat kaum Chancen weiterzukommen.

*Name von der Redaktion geändert