Die Union möchte einen Werteunterricht für Flüchtlingskinder - im Namen der Integration. Welche Werte das sein könnten, das hat sich unsere Reporterin gefragt.

Deutsche Werte - da denken viele vielleicht zunächst an die preußischen Tugenden wie Fleiß, Ordnung oder Pünktlichkeit. Die Unionsfraktionsvorsitzenden, die nun einen Werteunterricht für die Kinder Geflüchteter fordern, denken allerdings eher an die Grundwerte unserer Verfassung: Es gehe um die Menschenwürde, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder unsere Presse- und Meinungsfreiheit, wie Maik Mohring von der CDU Thüringen auf einer Pressekonferenz am 8. Mai erklärte.

"Also keine Brauchtumspflege - Flüchtlinge dürfen genauso ahnungslos sein wie wir, wenn es um Mariä Lichtmess geht."
Rebekka Endler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Gleiche Werte für alle

Bei der Diskussion um den Werteunterricht für Flüchtlingskinder reden wir also über Werte, bei denen die meisten von uns sagen würden: Ja, die teilen wir. Aber brauchen Kinder von Geflüchteten dafür separaten Unterricht? Monika Weber, Leiterin einer Grundschule und ehrenamtliche Familienpatin für zwei Flüchtlingsfamilien sagt: Wenn schon, dann sollten alle Kinder an einem solchen Unterricht teilnehmen.

"Ich finde, die Werteerziehung dürfte man nicht beschränken auf Zuwanderungs-Schülerinnen und -Schüler, sondern die Werteerziehung müsste dann für alle Kinder sein."
Monika Weber, Grundschulleiterin

Zuverlässigkeit, Gewaltlosigkeit, demokratische Strukturen - es schadet nicht, wenn Kinder schon vor der Einschulung mitbekommen, wie gesellschaftliches Miteinander funktioniert. Doch das scheint heute in vielen Familien ein Problem, egal welcher Nationalität.

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Auch deutsche Schüler haben Nachholbedarf

Mit ihrer Einschätzung ist Monika Weber nicht allein. Der Deutsche Lehrerverband teilt diese Meinung: "Ich bin dafür, diesen Werteunterricht in den Gesamtlehrplan zu integrieren", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Auch bei den deutschen Schülern würden die Themen Grundgesetz, Rechtsstaatsprinzip und Demokratie "leider derzeit ganz kleingeschrieben".

Monika Weber jedenfalls hätte nichts dagegen, künftig Werte-Nachhilfe zu geben. Nur eins ist für sie klar: "Um die Werteerziehung umzusetzen, brauchen wir zusätzliche Lehrerstunden." 

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