Die Nasa will mit einer Raumsonde einen 500 Meter großen Asteroid untersuchen, der eines Tages der Erde ziemlich nahekommen könnte. Dass er auf unserem Heimatplaneten einschlägt, ist unwahrscheinlich. Aber er kann uns Geheimnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems verraten.

Noch ist Bennu rund 290 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, aber er könnte unserem Planeten ziemlich nahekommen – wenn auch erst in 150 Jahren. Doch tatsächlich zählt die Nasa Bennu zu den gefährlichsten derzeit bekannten Asteroiden. Genau deswegen erforscht sie ihn seit zwei Jahren mit der Sonde Osiris-Rex. Ab Dienstag (20.10.2020) soll die Sonde zum ersten Mal Staubproben von der Oberfläche entnehmen. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie nah der Asteroid der Erde kommen könnte.

Einer der gefährlichsten bekannten Asteroiden

Dass Asteroiden in die Erdatmosphäre eindringen, passiere häufig, sagt Astrophysiker Michael Büker. "Die Erde wird ständig von Körpern aus dem All getroffen, die sind aber so klein, dass sie in der Erdatmosphäre explodieren oder - wenn sie runterfallen - dann nur als ganz kleine Steinchen, die keine größeren Schäden anrichten."

Doch wenn ein besonders großer Körper auf die Erde treffen würde, dann könnte auch die Zerstörung groß sein, so Michael Büker. Und da Bennu mit seinem 500 Metern Durchmesser zu den größeren seiner Art gehört und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er irgendwann in die Nähe der Erde kommt, ist es sinnvoll, seine Flugbahn genau zu berechnen. Genau das soll jetzt passieren. Ein Einschlagsrisiko, das hält Michael Büker noch mal fest, sei jedoch sehr gering.

Genaue Flugrichtung nicht abschätzbar

Warum es so schwer ist, die Flugrichtung des Asteroiden einzuschätzen, erklärt der Astrophysiker so: "Es ist wie bei Flipper. Man hat eine ungefähre Vorstellung, gegen welche Flächen die Kugel katapultiert wird, aber in welche Richtung sie dann ganz genau weiterspringt, ist schwer vorauszusagen."

"Es ist wie bei Flipper. Man hat eine ungefähre Vorstellung, in welche Richtung die Kugel springt, aber ganz genau weiß man es nicht."
Miachel Büker, Astrophysiker

Bei einem Asteroiden bedeute das zwar nicht, dass er auf andere Flugkörper pralle, dass aber zum Beispiel die Schwerkraft Einfluss auf seine Flugrichtung nimmt. Michael Büker erklärt: "Wenn der Asteroid bei seinem nahen Vorbeiflug an der Erde ein paar Meter nach rechts oder links verschoben wird, summiert sich das über die folgenden Jahre oder Jahrzehnte zu einer großen Abweichung." Deswegen seien solche nahen Vorbeiflüge ein Knackpunkt. Was danach passiert, könne nicht genau vorhergesagt, sondern müsse überprüft werden.

Wissenschaftler hoffen auf Erkenntnisse über das Sonnensystems

Für die Nasa ist Bennu aber nicht nur wegen seiner unbestimmten Flugrichtung interessant. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhoffen sich von den nun zu sammelnden Proben nichts Geringeres als Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren. Asteroiden sind ein Überbleibsel aus dieser lang vergangenen Zeit. Und sie bestehen aus einem Material, aus dem alle Planeten in unserem Sonnensystem entstanden sind: Staub.

"Asteroiden bestehen aus dem, aus dem alle unsere Planeten in unserem Sonnensystem entstanden sind. Bennus Staub ist als mehrere Milliarden Jahre alt."
Michael Büker, Astrophysiker

Diesen Staub aufzusaugen sei aber alles andere als einfach. Schließlich ist die Sonde Millionen Kilometer entfernt. Alleine die Steuerungssignale brauchen 16 Minuten von der Nasa bis zur Sonde. Dazu dürften Schwierigkeiten bei der Landung kommen. "Bei Voruntersuchungen hat sich herausgestellt, dass auf dem Asteroiden Geröll und Brocken rumliegen, die größer sind als die Sonde selbst. Das heißt, dass es kaum glatte Flächen gibt, auf der sich die empfindliche Raumsonde bewegen kann." Dadurch bestehe die Gefahr, dass das sehr empfindliche Gerät beschädigt werden könnte. Deswegen seien die Wissenschaftler sehr nervös, ob die Probe – man rechnet mit 60 bis 2000 Gramm - erfolgreich entnommen werden kann.

Weltraummission kostet eine Milliarde Dollar

Schließlich kostet das Unterfangen rund eine Milliarde Dollar und ist ein Prestigeprojekt. Osiris Rex wäre erst die zweite Raumsonde, die eine Gesteinsprobe von einem Asteroiden zur Erde zurückbringen würde. Erstmals war das einer japanischen Weltraummission im Jahr 2010 gelungen. Doch bis Bennus Staub analysiert werden kann, wird es dauern. Geschätzte drei Jahre dürfte die Sonde für ihren Weg zurück zur Erde benötigen und am Ende Hürden wie den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und den Fallschirmsprung nehmen müssen. "Aber wenn das gelingt", verspricht Michael Büker, "werden die Ergebnisse sehr wertvoll sein."