"Also wir haben da ein System". Wenn WGs über ihre Putzpläne reden, wird es fast philosophisch. Der Soziologie-Student Felix Bathon hat in seiner Abschlussarbeit 250 WGler zu ihrem Putzverhalten befragt und sagt: statt ewig an Plänen rumzubasteln sollten sie besser mal miteinander reden.

Felix Bathon ist 26 und wohnt seit fast zehn Jahren in WGs - und ist bisher prima ohne Putzplan ausgekommen. Fast alle anderen, scheint es, setzen auf simple bis ausgeklügelte Systeme. Und viele beschweren sich am Ende doch, das es nicht läuft. Zeit, sich das in seiner Soziologie-Abschlussarbeit genauer anzuschauen.

Bloß nicht den grünen Schwamm!

Was den Putzplan-Look angeht, lassen viele die Klebestifte glühen: Hängekonstruktionen, Drehscheiben, sogar Collagen mit Mitbewohnerköpfen und Walrosskörpern hat Felix gesehen.

Kreativ bis "nazimäßig" auch die Putzplan-Logik. Die einen setzen auf das klassische Weiterdrehen - wer abgespült hat, schiebt Magneten oder Wäscheklammer zum nächsten Mitbewohner. Andere Pläne verwenden Tabellen, feste Zeiten und braves Abhaken. Manchmal wird der Bestimmungswahn auf die Spitze getrieben. Handschriftlich oder in epischen Anhängen ist vermerkt, welcher Schwamm wofür und in welcher Form benutzt werden soll ("Bloß nicht den grünen Schwamm fürs Klo!").

Putzplan-Typologie: WG-Nazis und Bastel-Geeks

"Grundsätzlich wird damit nur eins in Ordnung gebracht: das unterschiedliche Sauberkeitsempfinden."
Felix Bathon

Eine WG hat ihm seinen Plan mit den Worten "Hier unser Nazi-Putzplan" zugespielt. Und der hat es in sich: Per Ampelsystem wird der Sauberkeitszustand der Wohnung bewertet, zudem kann die "Putzfähigkeit" des Mitbewohners mit kleinen Lob-Steckern gerankt werden. Felix meint, Sauberkeit ist hier eher nicht das Problem, sondern die Mitbewohner, die vielleicht doch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit und vom Zusammenleben haben.

"Ich stehe Putzplänen eher skeptisch gegenüber."
Felix Bathon

Überrascht hat den Studenten, dass diese Pläne - quasi Sinnbild für bürgerliche Ordnung - so ausgiebig in WGs zelebriert werden. Obwohl das Ordnungsinstrument irgendwann immer "Sekretäre, Kontrolleure, Richter und Henker" hervorbringt, sagt Felix. Also Leute, die rufen "Mach mal das Bad sauber!" oder die Verwaltung übernehmen.

Spätestens bei der Diskussion um den Putzplan zeigen sich die Konflikte, die ohnehin in der WG schwelen. Wer fühlt sich zurückgesetzt? Wer ist nie da? Wer will alles bestimmen? Durch Putzplan-Modifkationen lassen sie sich selten beheben.

Rein empirisch waren die meisten der 250 WG-Bewohner halbwegs zufrieden mit ihrem System. Ausgetüftelte Putzplan-Apps hatte übrigens keine seiner untersuchten WGs benutzt. Sie blieben oldschool bei Papier und Pappe - ganz gleich wie sauber die Bude war.

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