Wenn es um Gerüchte und Fake News in sozialen Netzwerken geht, wird vor allem auf Facebook verwiesen. Dabei läuft die Verbreitung in vielen Ländern über den Messenger Whatsapp.

In Brasilien war Whatsapp das wichtigste Instrument für eine Desinformationskampagne während des Präsidentschaftswahlkampfs. Das Ergebnis: Jair Bolsonaro wurde zum Präsidenten gewählt. Auch in Indien verbreiten sich Gerüchte und Desinformationen vor allem über den Messengerdienst Whatsapp. 

Inzwischen nutzen 200 Millionen Menschen in Indien Whatsapp - dreimal so viele wie noch vor vier Jahren. Der Grund: Die Zahl der Mobilfunkkunden hat ebenfalls stark zugenommen, weil indische Handy-Anbieter alles daran setzen, auch Bewohner in den entlegensten Gegenden als Kunden zu gewinnen.

"Dieser krasse Expansionskurs ist brandgefährlich."
Netzreporterin Martina Schulte über die Strategie der indischen Mobilfunkanbieter

Pratik Sinha ist Gründer der indischen Fact-Checking-Seite AltNews. Er sagt, durch die Telekommunikations-Revolution hätten "Smartphones die Ärmsten der Armen erreicht", aber eine Gebrauchsanweisung, was man damit mache oder besser nicht mache, habe es nie gegeben.

Eine Studie des BBC World Service kommt unter anderem zu dem Schluss, dass Whatsapp zum Anwachsen des hinduistischen Nationalismus und der Stimmungsmache gegen Muslime beitrage. Der Guardian schreibt zudem, es habe in diesem Jahr bereits 30 Todesopfer in Indien gegeben, denen Desinformationen vorausgegangen, die über Whatsapp verbreitet worden seien.

Kaum Reaktionen von Whatsapp

Obwohl die Probleme bekannt sind, unternimmt Whatsapp nicht viel, um gegen die massenhafte Verbreitung von Desinformationen in seinem Messenger vorzugehen. Auf Druck der indischen Regierung wurde zumindest ein "weitergeleitet"-Tag eingeführt. Der limitiert die Anzahl der Menschen, an die man einen Nachricht weiterleiten kann und soll signalisieren: Achtung, keine offizielle Nachricht, sondern ein Gerücht vom Nachbarn.

"Die großen sozialen Netzwerke gehen einfach rein in einen neuen Markt, weil sie um jeden Preis wachsen wollen."
Netzreporterin Martina Schulte über die Verantwortung von Sozialen Netzewerken

Die Maßnahme hat bislang nicht viel gebracht. Laut BBC-Studie glauben die von ihnen befragten Inder allgemein Informationen, die ihnen von jemandem geschickt wurden, den sie kennen und dem sie vertrauen. Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass Bilder, Screenshots und Stories mit wenig Text eher geteilt werden als Berichte klassischer Medien.

Damit wiederholt sich in Indien das, was wir schon in Brasilien und Myanmar erlebt haben: Die großen sozialen Netzwerke gehen einfach in einen neuen Markt, um zu wachsen. Was dann in dem Land passiert, ist ihnen dann weniger wichtig als die eigenen Gewinne.

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