Ein Mangel an Jod kann problematisch für die Schilddrüse sein. Endokrinologe Joachim Feldkamp erklärt woher der Mangel bei uns kommt und wie er behoben werden kann.

Die Jodversorgung der Menschen in Deutschland ist seit rund zehn Jahren rückläufig. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation ist Deutschland wieder ein Jodmangelgebiet. Finnland, Norwegen und Israel gehören ebenfalls in diese Gruppe.

"Es muss ein gutes Gleichgewicht sein, und das funktioniert nur mit einer ausreichenden Jodmenge."
Joachim Feldkamp, Endokrinologe, Uniklinikum Bielefeld

Einerseits wird weniger jodiertes Salz gekauft und auch die Lebensmittelindustrie benutzt weniger jodiertes Salz. Auch Bäcker und Fleischer hätten früher bis zu 35 Prozent aller Lebensmittel mit jodiertem Speisesalz hergestellt. Dieser Wert sei leider rückläufig, sagt Joachim Feldkamp, Endokrinologe am Uniklinikum Bielefeld.

Bei Lebensmitteln für den internationalen Markt werde jodiertes Kochsalz ebenfalls aus Kostengründen seltener verwendet.

Jodiertes Salz auf dem Rückzug

Dabei ist Jod entscheidend für die Funktion der Schilddrüse, erklärt der Endokrinologe und sagt: "Jod ist ganz wichtig, darum sollten wir jodiertes Speisesalz verwenden."

Die Schilddrüse wiederum habe zurecht den Ruf das Gaspedal des Körpers zu sein. Sie nimmt Einfluss auf Verdauung und Denkfähigkeit, auf Herzrhythmus und Unruhempfinden. Zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 ist Jod zwingend erforderlich.

Geschätzter Mangel

Wir Menschen können einen Jodmangel oder einen Überfluss selbst nicht bemerken, und er lässt sich auch nicht wirklich gut im Blut oder Urin feststellen, sagt Joachim Feldkamp. Geschätzt wird die durchschnittliche Jodversorgung der Bevölkerung über massenhafte Auswertungen von tausenden von Urinproben.

"Die Weltgesundheitsorganisation hat festgestellt, zusammen mit dem Robert Koch-Institut, dass wir einfach zu wenig Jod haben."
Joachim Feldkamp, Endokrinologe, Uniklinikum Bielefeld

Ein Ausweg wäre es, den Jodgehalt im jodierten Speisesalz zu erhöhen. Joachim Feldkamp weist darauf hin, dass die Schweiz diesen Weg geht. Seit 2014 wird dort Speisesalz mit einem größeren jodierten Anteil verkauft.

  • Moderatorin:  Ilka Knigge
  • Gesprächspartner:  Joachim Feldkamp, Endokrinologe, Uniklinikum Bielefeld