Deutsche Städte könnten in zehn Jahren fahrradfreundlich sein. Das hält das Deutsche Institut für Urbanistik für eine realistische Vision.

Noch ist es in deutschen Städten keine Realität: schnell und sicher auf dem Rad durch die Stadt kommen. Mit dem richtigen Ansatz könnte das Ziel aber schneller umgesetzt werden, als es scheint.

Für schnellere Umsetzungen braucht es flexiblere Prozesse

Als Best-Practice-Beispiel nennt Thomas Stein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Urbanistik, Pop-up-Radwege. Sie seien eingerichtet worden, als die Corona-Zahlen auf dem Höchststand waren und Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten sollten. Viele stiegen damals aufs Rad um, Städte weltweit führten provisorische Radwege ein. Manche blieben erhalten, sagt Thomas Stein. Berlin ist ein solches Beispiel.

"In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es einen großen Bedarf in der Bevölkerung danach gibt, bessere Bedingungen für den Radverkehr zu schaffen."
Thomas Stein, Deutsches Institut für Urbanistik

Lange Planungszeiten vs. Learning by Doing

Was zunächst als Zwischenlösung gedacht war, könne also genutzt werden, um eine Idee auf ihren Nutzen zu überprüfen, zu verbessern und gegebenenfalls zu etablieren, so Thomas Stein. Dieser "lernende Prozess", erklärt der Wissenschaftler, sei effektiver als übliche Planungsverfahren. Denn die befänden sich jahrelang auf dem Reißbrett, müssten am Ende aber eh in der Realität evaluiert werden.

"Gerade die Coronazeit hat gezeigt, dass es durchaus Wege gibt, wie man Radverkehrsinfrastruktur schneller realisieren kann."
Thomas Stein, Deutsches Institut für Urbanistik

Thomas Stein plädiert daher gegen Perfektionismus: Lieber schnell einen guten und provisorischen Radweg bauen, den man im Laufe der Zeit verbessere. Der sei dann möglicherweise nicht perfekt, aber zumindest schon mal da.