Seit dem Film "Free Willy" gelten Orcas oder Schwertwale als niedliche Tiere. Aber sie haben auch eine andere Seite: Sie sind raffinierte und tödliche Jäger - mit ungewöhnlicher Strategie.

Orcas oder Schwertwale sind - nach dem Pottwal - die größten Raubtiere der Welt. Was die Effektivität, aber auch die Raffinesse ihres Jagdverhaltens angeht, spielen die Meeressäuger in der Champions League der tierischen Top-Prädatoren. Sie fressen Fische, Tintenfische, Robben, andere Walarten, Pinguine, Eisbären - und sogar ein ausgewachsener Elch wurde schon im Magen eines sogenannten Killerwals gefunden.

"Orcas können sich als Imitatoren betätigen - sie machen das Bellen von Seelöwen nach und locken damit ihre Lieblingsbeute an."
Mario Ludwig, Tierexperte

Eine Welle machen

Um an Landtiere zu kommen, nutzen die Orcas einen Trick. Sie suchen sich eine Robbe oder auch mal einen Eisbären, der auf einer Eisscholle steht. "Dann machen sie Welle", sagt Mario Ludwig, "das heißt: Die Schwertwale schließen sich in einer Gruppe zusammen und erzeugen gemeinsam so große Wellen, dass die Robben regelrecht von ihren Eisschollen gespült werden. Ein Orca hält dabei die Eisscholle in Position. Die anderen, oft vier oder fünf, schwimmen mit hoher Geschwindigkeit auf die Eisscholle zu, machen dabei eine große Welle und spülen die Robbe von der Scholle. Und dann schnappen sie die Robbe und ziehen sie unter Wasser."

Möwen auf dem Speiseplan

Und sogar Vögel können die Killerwale erbeuten. In einem kanadischen Aquarium entdeckten Forscher, wie intelligent die Orcas dabei vorgehen: Der Orca lockt zunächst die Möwen in seine Nähe, indem er erbrochenen Fisch als Köder auf die Wasseroberfläche spuckt. "Wenn eine Möwe diese vermeintliche Beute packen will, wird sie vom Orca verschlungen", erklärt Mario Ludwig. Der lauert dicht unter der Wasseroberfläche im Hinterhalt. Und was selbst gestandene Verhaltensforscher erstaunt hat: Der Schwertwal im Aquarium hat diesen Trick sogar einem Artgenossen beigebracht - seither gehen beide fleißig auf Möwenjagd und erbeuten täglich immerhin drei bis vier Möwen.