• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Die neue Frauenquote für ausgewählte Großunternehmen in Deutschland steht auch für einen veränderten Diskurs. Reine Männermannschaften sind hierzulande nicht mehr normal, sagt Wiebke Ankersen von der Allbright-Stiftung

Die Position von Frauen in Vorständen großer Unternehmen wird gesetzlich gestärkt. Für den Entwurf haben im Bundestag die Parlamentarierinnen und Parlamentarier von CDU/CSU und SPD gestimmt. AfD und FDP haben dagegen gestimmt, Linksfraktion und Bündnis 90 / Die Grünen enthielten sich.Das Gesetz betrifft börsennotierte und zugleich paritätisch mitbestimmte Unternehmen der Privatwirtschaft mit mehr als 2000 Beschäftigten. Laut Bundesregierung sind etwa 70 Unternehmen betroffen. Bei 30 dieser Konzerne sitzt momentan keine einzige Frau im Vorstand.

Ehegattensplitting als Problem

"Das Gesetz wird das Problem nicht lösen, aber es ist schon ein symbolischer Meilenstein", sagt Wiebke Ankersen. Sie arbeitet als Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung. Diese setzt sich seit Jahren für mehr Diversität in Unternehmen ein. Wiebke Ankersen sagt, die Rollenaufteilung mit der Frau als Nebenverdienerin und dem Mann als Hauptverdiener sei typisch in Deutschland und hierzulande überaus weit verbreitet. Vom Staat werde das Prinzip durch das Ehegattensplitting noch gefördert.

"Wir haben in Deutschland diese unheimlich starke Norm von: Er macht Karriere, und sie verdient ein bisschen was hinzu. Das ist total deutsch."
Wiebke Ankersen, Allbright-Stiftung, Geschäftsführerin

In den USA, Großbritannien und Skandinavien gebe es in der Gesellschaft ein viel stärkeres öffentliches Bewusstsein für Chancengleichheit und Diversität. Dort gibt es keine Frauenquote und es brauche sie auch nicht, findet Wiebke Ankersen. Bei den üblichen homogen männlich besetzten Vorständen in Deutschland aus Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren hingegen, sei die fehlende Chancengleichheit direkt sichtbar. Wiebke Ankersen sagt: "Da fallen nicht nur Frauen durchs Raster, sondern auch Ostdeutsche, Deutsche mit ausländischen Wurzeln. Die tauchen da oben überhaupt nicht mehr auf."

Erinnerung an einen Aufschrei 2018

In Deutschland entstehe gerade die breite gesellschaftliche Überzeugung, dass stärker an Chancengleichheit gearbeitet werden müsse. Sie erinnert an die öffentliche Empörung auf Horst Seehofers Team im Innenministerium bei seinem Amtsantritt 2018. So hat die Seite ausgesehen. So sieht sie heute aus.

"Horst Seehofer hat 2018 seine Innenministeriumsmannschaft vorgestellt. Das war das erste Mal, dass es so eine Art Aufschrei gegeben hat."
Wiebke Ankersen, Allbright-Stiftung, Geschäftsführerin