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Die Corona-Pandemie verstärkt die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. In Deutschland zeigt sich das hauptsächlich daran, wie viel die Frauen in welchen Berufen arbeiten und wer sich um Kinder und Familie kümmert.

Bis zur Gleichstellung von Frau und Mann dauert es bei aktuellem Tempo im weltweiten Durchschnitt noch 136 Jahre – errechnet auf Basis verschiedener Kriterien wie politische Teilhabe, Zugang zu Gesundheit und Bildung und wirtschaftliche Möglichkeiten.

Das ist das Ergebnis einer Analyse der Stiftung des Weltwirtschaftsforums. Einen großen Anteil daran hat die Corona-Pandemie, die die Ungleichheit zwischen Frauen und Männer verstärkt. "Allerdings gab es auch schon vor Corona im weltweiten Durchschnitt kaum Fortschritte bei der Gleichstellung", sagt Julia Schmieder, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Gender Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Dass die Pandemie die Ungleichheit verstärkt hat, liegt an mehreren Gründen:

  • Frauen arbeiten häufiger in Berufen, die von Kontaktbeschränkungen betroffen sind, etwa Gastronomie und Einzelhandel
  • In fast allen Ländern kümmern sich häufiger die Frauen um Kinder und Familie (Care-Arbeit), sodass sie stärker betroffen sind von zum Beispiel Kita- und Schulschließungen
  • In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt rund 400.000 alleinerziehende Väter, aber 2,2 Millionen alleinerziehende Mütter, die von Corona-Maßnahmen besonders betroffen sind
Grafik über die Ungleichstellung von Mann und Frau weltweit
© Statista
Grafik über die Ungleichstellung von Mann und Frau weltweit

Viel mehr Frauen arbeiten in Teilzeit

Wie es mit der Gleichstellung bestellt ist, lässt sich unter anderem an der Lohngleichheit ablesen: In Deutschland liegt der Geschlechterunterschied beim Lohn bei rund 30 Prozent – das heißt nicht, dass Frauen einen 30 Prozent geringeren Stundenlohn haben, sondern beschreibt das Erwerbseinkommen pro Jahr für die gesamte Bevölkerung. Konkret liegt die Lohnungleichheit, wird sie insgesamt betrachtet, an mehrere Ursachen:

  • Weniger Frauen als Männer arbeiten überhaupt
  • Deutlich mehr Frauen (48 Prozent) als Männer (11 Prozent) arbeiten in Deutschland in Teilzeit
  • Mehr Frauen als Männer arbeiten in tendenziell schlecht bezahlten Berufen
  • Auch gibt es einen Unterschied beim Stundenlohn für vergleichbare Arbeit – auch wenn der in Deutschland je nach Interpretation gar nicht sehr groß ausfällt
"In den nordischen Ländern nehmen sich die Frauen nach der Geburt eines Kindes auch Auszeiten und arbeiten in Teilzeit. Der Unterschied zu anderen Ländern ist: Die Männer machen das genauso."
Julia Schmieder, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Gender Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

Einige nordeuropäische Länder wie Schweden, Norwegen und Island schneiden in Sachen Gleichstellung besser ab als andere. Julia Schmieder vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt: In diesen Ländern arbeiten Frauen ebenfalls in Teilzeit und nehmen sich zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes Auszeiten. Doch würden das die Männer dort eben auch machen – zumindest mehr als in anderen Ländern.

Und das kann auch die Politik fördern. Julia Schmieder: "Die Politik in diesen Ländern geht davon aus, dass sich die Elternteile die Erwerbs- und Sorge-Arbeit gleichmäßig aufteilen." Das zeige sich zum Beispiel an den Partnermonaten beim Elterngeld, die es schon lange gibt, sowie an einer flächendeckenden, guten Kinderbetreuung.

Ehegattensplitting fördert Ungleichheit

Auch die Abschaffung des Ehegattensplitting sei ein wichtiger Teil, um Gleichstellung zu fördern. Dieses Steuer-Modell führt kurz gesagt dazu, dass ein Modell steuerlich begünstigt wird, indem ein/e Lebenspartner/in viel und die/der andere wenig verdient. Aktuell ist es in Deutschland meistens der Mann, der mehr verdient als die Frau, sodass die Regel, die theoretisch keine Ungleichheit zwischen Frau und Mann fördert, es faktisch doch tut.

Einerseits ist Julia Schmieder optimistisch, dass das Ehegattensplitting reformiert wird, weil sich dazu Vorschläge in diversen Wahlprogrammen für die Bundestagswahl 2021 finden. Andererseits sagt sie: "Vorschläge gab es früher auch schon. Und bisher ist es immer an der Umsetzung gescheitert."