Große Empörung im Netz - Google hat die Mails dreier Wikileaks-Mitarbeiter an US-Ermittler weitergeleitet.

Schon lange nichts mehr von Wikileaks gehört - bis gestern. Mit einer Pressekonferenz haben die Whistleblower jetzt ein neues Lebenszeichen von sich gegeben: Wikileaks verklagt Google. Der mächtige Konzern habe die Korrespondenz von drei führenden Wikileaks-Mitarbeitern an die US-Ermittler weitergegeben - genauer die Aktivitäten ihrer Gmail-Konten. Google selbst hat die Wikileaks-Mitarbeiter davon kurz vor Weihnachten in Kenntnis gesetzt. Es gab auch schon einen Twitter-Hinweis von Wikileaks zu diesem Thema. Damals war allerdings noch von einem Betroffenen die Rede.

Was besonders pikant ist: Zwischen dem Beginn der Datenweitergabe von Google an das FBI und der Benachrichtigung der Überwachten vergingen zweieinhalb Jahre. Die Google-Konten wurden seit 2012 überwacht, aber der Durchsuchungsbefehl war mit einer speziellen Order belegt. Die Folge: Niemand darf über diese Überwachung informiert werden. Erst Ende 2014 wurde dieser Maulkorberlass teilweise aufgehoben. Jetzt wollen die Wikileaks-Anwälte von Google wissen, warum das Unternehmen so lange geschwiegen hat und welche Daten weitergereicht wurden.

"Zwischen dem Beginn der Datenweitergabe von Google an die US-Behörden und der Benachrichtigung der Überwachten vergingen zweieinhalb Jahre."
Netzautor Andreas Noll

Betroffen sind Mitarbeiter, die auch journalistisch arbeiten. Also hat dieser Fall auch eine presserechtliche Komponente. Wikileaks spricht von einem Angriff auf die Pressefreiheit. Es geht um die Investigativ-Redakteurin Sarah Harrison, den Fachredakteur Joseph Farrell und den Sprecher von Wikileaks Kristinn Hrafnsson. Allein im Fall des Sprechers soll Google 43.000 Mails an die US-Behörden weitergereicht haben.

Nach Aussagen von Sarah Harrison geht es nicht um sensible Daten, sondern sehr private Korrespondenz mit Familie und Freunden. Neben den E-Mails habe Google außerdem Kontaktlisten, gelöschte Nachrichten und Entwürfe der drei Nutzer herausgegeben, sowie die IP-Adressen, unter denen sie sich auf ihren E-Mail-Konten eingeloggt hätten, berichtet Harrison.

Natürlich gibt es jetzt sehr viele wütende Reaktionen. Auch weil Google in anderen Fällen die Betroffenen viel früher gewarnt habe. Auch Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger stellte sich in einem Tweet auf die Seite von Wikileaks.

Google selbst sagt, das Unternehmen halte sich an die Gesetze wie jedes andere Unternehmen auch. Es werde stets geprüft, ob ein Durchsuchungsbeschluss juristisch fundiert sei. Andernfalls lege der Konzern sein Veto ein oder verlange, dass die Durchsuchungskriterien eingeengt werden.