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Weiße Haie überleben in Gefangenschaft oft nur wenige Tage. Der Biologe Mario Ludwig erklärt, was Ursachen dafür sein können.

Seit den 1970er Jahren wurde auf der ganzen Welt immer wieder versucht, Weiße Haie in Aquarien zu halten. Schließlich würde das die Besucherzahlen enorm in die Höhe Höhe treiben. Allerdings haben Weiße Haie in Gefangenschaft nie besonders lange überlebt: Oft verenden sie schon nach wenigen Wochen oder sogar schon nach einigen Tagen.

Bereits nach drei Tagen ist ein dreieinhalb Meter großer Weißer Hai im japanischen Okinawa-Churaumi-Aquarium gestorben. Sein Zustand hatte sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechtert. Zum Vergleich: In freier Wildbahn werden Weiße Haie bis zu 70 Jahre alt.

Eingeengt und keine lebende Beute

Es gibt Vermutungen, wieso Weiße Haie in Gefangenschaft nicht überleben. Sie legen oft Hunderte von Kilometern am Tag im offenen Ozean zurück. Im Aquarium steht ihnen ein vergleichsweise kleiner Bereich zur Verfügung. Das macht die Weißen Haie nicht nur aggressiv, sondern wahrscheinlich auch depressiv.

Außerdem fressen Weiße Haie in der freien Natur nur lebende Beute. In Aquarien werden ihnen aber meistens nur tote Tiere angeboten. Deshalb verweigern Weiße Haie in Gefangenschaft oft die Nahrungsaufnahme, sagt der Biologe Mario Ludwig. Und oft scheint auch die Wasserqualität nicht geeignet zu sein für Weiße Haie.

Orientierungslosigkeit durch Technik – Aquarien verwirren Haie wohl

Haie besitzen ein hoch empfindliches Sinnessystem, mit dem sie elektrische Felder von Beutetieren wahrnehmen können. Diese sogenannten Lorenzinischen Ampullen sind für Haie zum Beutefang, aber auch zur Orientierung äußerst wichtig.

Forschende vermuten, dass möglicherweise die Glasscheiben und das technische Equipment des Aquariums dieses Sinnessystem verwirren und die Haie orientierungslos machen.

Publikumsmagnet: Der Weiße Hai von Monterey Bay

2005 ist ein junger, weiblicher Weißer Hai Fischern vor der kalifornischen Küste ins Netz gegangen. Beim Eingewöhnen ins Aquarium ist man behutsam vorgegangen: Biologen haben das Tier zunächst in einem riesigen Meereskäfig bei Malibu an die Gefangenschaft gewöhnt.

Anschließend hat das etwa anderthalb Jahre alte Weißes Hai-Weibchen ein halbes Jahr im Aquarium von Monterey Bay gelebt. Danach wurde sie aufgrund von Problemen aber wieder in die Freiheit entlassen.

Ein weiblicher Weißer Hai im Aquarium in Monterey.
© imago images | ZUMA Wire
Das Weiße-Hai-Weibchen von Monterey Bay hat ein halbes Jahr im Aquarium gelebt und wurde aufgrund ihres Jagdtriebes wieder in die Freiheit entlassen.

Hai von Monterey Bay entwickelt Jagdtrieb

Dass sich das Hai-Weibchen im Aquarium anscheinend wohlgefühlt hat, führen Biologen darauf zurück, dass der Fisch stark an Größe und Gewicht zugelegt hat: von anderthalb Metern auf 1,90 Meter.

Als der Weiße Hai größer wurde, hat er damit angefangen, Jagd auf die anderen Fische im Becken zu machen. Innerhalb weniger Tage hat das Weiße-Hai-Weibchen beispielsweise zwei kleinere Hundshaie totgebissen.

Schlagzeile - Weißer Hai beißt sich in die Freiheit zurück

Um weitere Todesfälle zu vermeiden, hat sich die Aquariumsdirektion dafür entschieden, den Weißen Hai wieder im Meer auszusetzen. Damals haben die Zeitungen getitelt: Weißer Hai beißt sich in die Freiheit zurück.

Dass dieser Weiße Hai immerhin ein halbes Jahr im Aquarium überlebt hat, lag möglicherweise daran, dass man ihn vorsichtig an die Gefangenschaft gewöhnt hat. Zu Beginn der Gefangenschaft war der Hai verhältnismäßig jung und klein und dadurch war auch seine Ernährung einfacher. Denn junge Weiße Haie ernähren sich von Fisch, Erwachsene Tiere von Robben, Schildkröten und kleinen Walen.