Der Wolf ist wieder da – und das nicht nur in ländlichen Regionen, sondern auch in Großstädten. Daran werden wir uns gewöhnen müssen, wir werden dem Wolf in Zukunft immer häufiger begegnen, sagt der Deutsche Jagdverband. Darauf wollen wir vorbereitet sein.

Im Mai wurde ein Wolf in Köln gesehen, in Lohne, einer Kleinstadt in Niedersachsen, lief einer im März durch die Straßen, und in der Döberitzer Heide, nur rund 30 Kilometer vom Berliner Alexanderplatz entfernt, wurde jüngst ein ganzes Rudel mit sechs Tieren gesichtet.

Wölfe sind "Kontrollfreaks"

In den allermeisten Fällen sind Wölfe nicht sonderlich am Menschen interessiert, sondern haben ihr eigenes Ziel im Kopf, hat uns Frank Faß vom Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen erklärt. In Kanada hat er Wölfe in freier Wildbahn erlebt. Als sie ihn gesehen hätten, wären sie nicht in Panik davongerannt, sondern hätten sich kontrolliert zurückgezogen.

"Der Wolf sieht den Zweibeiner und tritt dann – wie ein Kontrollfreak – den kontrollierten Rückzug an."
Frank Faß, Wolfcenter Dörverden

In Einzelfällen könne es aber mal dazu kommen, dass Wölfe Menschen interessant finden und näherkommen. Das seien dann meistens junge Tiere, die einfach neugierig sind.

Klatschen oder rufen: Laut sein hilft

Wenn ihr durch die Straßen lauft und tatsächlich in einiger Entfernung einen Wolf seht – wenn ihr den Eindruck habt, dass er auf euch zukommt, euch aber noch nicht wirklich registriert hat – dann macht euch bemerkbar: in die Hände klatschen oder laut rufen zum Beispiel. Denn der Wolf muss die Chance haben, uns zu erkennen, um dann – höchstwahrscheinlich – seinen eigenen Weg zu gehen.

Was ihr auch machen solltet, wenn ihr in diesem Moment daran denkt, sagt Frank Faß: Den Wolf – natürlich auf Abstand (!) – mit dem Handy filmen. Das Material solltet ihr dann anschließend zur Auswertung einem Wolfsberater oder einer Wolfsberaterin zukommen lassen. Davon gibt es allein in Nordrhein-Westfalen rund 70.

Nicht anlocken, nicht wegrennen!

Ihr solltet euch nie einem Wolf von euch aus nähern. Und ihn auch nie füttern. Oder gar versuchen, den Wolf mit nach Hause zu nehmen. Das wird nämlich nicht nur niemals klappen. Das ist auch verboten: Wölfe füttern oder anlocken ist eine Ordnungswidrigkeit.

"Was man auf keinen Fall machen sollte – in Anwesenheit von sämtlichen Großraubtieren dieser Welt: Man sollte nicht davonrennen."
Frank Faß, Wolfcenter Dörverden

Wer Panik kriegt, sollte am besten laut klatschen, Abstand halten und sich dabei möglichst in Ruhe vom Wolf wegbewegen. Auf keinen Fall solltet ihr aber hektisch werden und überhastet wegrennen – das wiederum könnte bei Wölfen nämlich den Jagdinstinkt wecken. Genauso wie übrigens auch bei Hunden, die vom Wolf abstammen.

Wenn der Hund dabei ist

Frank Faß hat uns von zwei Begegnungen aus der letzten Zeit berichtet, bei denen Frauen mit ihren Hunden spazieren waren. In beiden Fällen seien die Wölfe wohl in der Tat an den Hunden interessiert gewesen, weniger an den Menschen. Es gab aber keinen Angriff. Sein Tipp: Wer einem Wolf begegnet und einen Hund dabei hat, sollte den Hund anleinen und eng bei sich behalten. So schreckt man als Mensch den Wolf ab und es kommt nicht zur Auseinandersetzung von Wolf und Hund.

"Ein konfliktfreies Miteinander von Menschen und Wölfen ist wohl nicht realistisch. Aber ein konfliktarmes Miteinander ist definitiv erreichbar."
Frank Faß, Wolfcenter Dörverden
Dass es inzwischen wieder mehr wild lebende Wölfe gibt, ist weder Segen noch Fluch, sagt Frank Faß. Menschen und Wölfe könnten koexistieren. Wichtig sei vor allem, dass der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wölfen gelöst wird. Da liege das größte Problem. Er plädiert dafür, Nutztierhalter finanziell zu unterstützen, damit sie wolfsabweisende Zäune anschaffen können.
  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova