Hochzeit in Windsor

Die Royals dürfen alles - nur nicht normal sein

Wenn Prinz Charles Meghan Markle zum Altar führt und sie sich mit Prinz Harry die ewige Treue schwört, schauen Millionen Menschen zu. Eine reale Soap. 

Der Hochzeitskuchen aus Holunderblüten und Zitronenbiskuit ist so gut wie fertig, die meisten Touristen und Gäste sind inzwischen angereist und Souvenirs mit dem Konterfei von Meghan Markle und Prinz Harry sind teilweise ausverkauft. Läuft, könnte man so sagen. Und genau das ist auch der Grund, warum so viele Menschen in Großbritannien die royale Hochzeit in Windsor abfeiern, obwohl man sie - mit kühlem Kopf betrachtet - vielleicht eher als ein albernes, aus der Zeit gefallenes Traditionsspektakel bezeichnen müsste. 

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"Einerseits wissen die ganz genau, dass das die beste PR für ihr Land ist und dass die Royals auch einfach Geld nach Hause bringen", erklärt Marlis Schaum, unsere Spezialistin für das britische Königshaus. Der finanzielle Aspekt ist ein entscheidender Punkt. Offiziellen Schätzungen zufolge soll die Hochzeit 350 Millionen Euro zusätzlich in den britischen Haushalt spülen.

"Wenn die zu normal werden, fragt sich jeder: Warum haben wir denn überhaupt noch ein Königshaus?"
Marlis Schaum, Deutschlandfunk Nova

Es ist aber nicht nur der royale Wirtschaftsfaktor, der zieht. Sondern es ist auch die Beständigkeit der Royals, die viele Briten schätzen. "Die Queen ist seit 1952 im Amt", erklärt Marlis, "die Queen ist einfach auch ein Fels in der Brandung in Brexit-Zeiten."

"Es bietet genügend Projektionsfläche zum Abschalten, zum Sich-Wegträumen, weil Alltag ja oft anstrengend genug ist. Die Weltlage ist angespannt genug - und an sich will man auch mal was Schönes haben."
Marlis Schaum, Deutschlandfunk Nova

Und natürlich haben die Windsors auch eine große Anziehungskraft, weil sie eine wunderbare Projektionsfläche für unsere Träume und geheimen Wünsche bieten. Wir bekommen nur kleine, sehr fein kuratierte Ausschnitte aus dem Leben der Königsfamilie mit. Sie lassen genug Lücken, die wir selber mit unserer Fantasie füllen können. Und genau deswegen dürfen die Royals Vieles, sie dürfen nur nicht zu normal werden.

"Für mich ist es pure Unterhaltung - wie so eine Soap-Opera. Besser als die Windsors kannst du gar keine Soap-Opera schreiben."
Marlis Schaum, Spezialistin für royale Angelegenheiten

Zwischendurch tut es der Aufmerksamkeit für die Windsors dann aber doch ganz gut, wenn ein paar menschelnde Nachrichten aus dem Buckingham Palace in die Medien tröpfeln. Eine Hochzeit hier, eine Scheidung dort, die Schwangerschaftsübelkeit von Herzogin Kate.

Und besonders gut ist es für das Königshaus, wenn gelegentlich jemand mal ein bisschen was Neues in die von Tradition und Geschichte geprägte Familie bringt. So wie Meghan Markle, eine Bürgerliche mit afro-amerikanischen Wurzeln, die aus einer schwierigen Familie stammt und Karriere als Schauspielerin gemacht hat. "Das Krasse ist, die hat noch nicht ein Skandälchen an den Hacken hängen", sagt Marlis. Bisher haben die Lästermäuler der Klatschpresse einfach noch nichts, womit sie Meghan Markle in den Dreck ziehen könnten.

"Die ganzen royalen Lästermäuler werden wahnsinnig, weil du der nichts anheften kannst."
Marlis Schaum, Deutschlandfunk Nova

Meghan Markle ist auch bereits geschieden. 1950 musste der damalige König Edward zurücktreten, weil er sich für die Ehe mit einer bereits geschiedenen Amerikanerin entschloss. Das ist heute alles anders. Die Royals brauchen neue Familienmitglieder wie Meghan, um zu zeigen, dass sie mit der Zeit gehen und nicht total in der Zeit stehen geblieben sind. 

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Darum warten jetzt alle auf die Hochzeit. 10.000 Schaulustige werden in Windsor erwartet. Und zu den geladenen Hochzeitsgästen zählen auch 1200 ganz normale Briten, die sich irgendwie durch wohltätige Zwecke oder gesellschaftliches Engagement verdient gemacht haben. Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sind hingegen nicht eingeladen. Marlis vermutet, man wollte auf diesem Weg eine Einladung an Donald Trump umgehen.