Würzburg, München, Reutlingen und zuletzt Ansbach - Anschläge und Amok haben sich in den vergangenen Tagen in so dichter Folge ereignet, dass es schwer fällt, zum Alltag zurückzukehren. Wir haben Angst - aber wir können etwas dagegen tun.

Den ersten Rat den wir immer wieder hören, wenn es um Ängste geht - darüber reden. Und das machen wir mit Katrin Streich. Sie hat viele Jahre als Polizeipsychologin gearbeitet und ist jetzt stellvertretende Leiterin des Instituts Psychologie & Bedrohungsmanagement in Darmstadt.

Angst ist ein Gefühl, das entsteht und dem es erst einmal egal ist, ob die Ereignisse, die es auslösen, zusammengehören oder nicht, erklärt Katrin Streich. Wir spüren ein Gefühl der Bedrohung und der Unkontrollierbarkeit. Grundsätzlich gilt: Angst ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers. Sie will uns zeigen, dass eine Gefahr herrscht, wir uns mit einer Situation auseinandersetzen müssen oder vielleicht flüchten sollten. Wenn wir Bluthochdruck bekommen, der Puls und die Atemfrequenz steigt, will uns unser Körper also auf eine gefährliche Situation vorbereiten.

Angst nicht einfach wegschieben

Gegen dieses Gefühl der Angst helfen vor allem Fakten, sagt Katrin Streich. Es sei allerdings nicht gut, die Angst einfach wegzuschieben. Wenn wir sagen "Das darf jetzt nicht sein", sucht sich die Angst eine Hintertür und das kann zum Beispiel eine Panikattacke sein, die wir dann noch schlechter kontrollieren können. Aus psychologischer Sicht ist es sinnvoll, sich mit der Angst auseinanderzusetzen und sie ein Stück weit zuzulassen, rät Katrin Streich. Dabei sei es hilfreich, sich zu fragen: Wovor habe ich konkret Angst und was sind das für Situationen? Außerdem helfe es auch, sich mit anderen auszutauschen, denen es ähnlich geht.

Was wir auf keinen Fall tun sollten: Uns komplett einigeln, das Haus nicht mehr verlassen und alle Situation meiden, in denen uns etwas passieren kann. Dann kann es nämlich zu einer Verselbstständigung der Angst kommen, erklärt Katrin Streich.

"Wir sind in der Lage uns zu immunisieren."

Katrin Streich, stellvertretende Leiterin des Instituts Psychologie & Bedrohungsmanagement in Darmstadt.

Wie stark uns Angst beeinträchtigt, hat natürlich auch mit unseren eigenen Erfahrungen zu tun. Es gibt aber auch einfach Menschen, die ängstlicher sind als andere: Weil sie alles durchdenken und sich ständig ausmahlen, was alles passieren kann. Andere können die Angst eher wegschieben. Grundsätzlich gilt: Wir sind in der Lage, uns mit Situationen auseinanderzusetzen, die immer wieder passieren, erklärt Katrin Streich. Das heißt aber nicht, dass wir abstumpfen: Die Dinge beschäftigen uns zwar, aber unser Körper tritt nicht jedes Mal in einen emotionalen Ausnahmezustand. Und so wird es einfacher, uns mit den Dingen auseinanderzusetzen.