Drei Armutsforscher sind in diesem Jahr mit dem sogenannten "Wirtschaftsnobelpreis" ausgezeichnet worden. Die Ökonomen zeigen, wie die Situation armer Menschen ganz konkret verbessert werden kann - und welche Investitionen sich lohnen.

Der "Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften" geht in diesem Jahr an zwei Männer und eine Frau: an die gebürtige Französin Esther Duflo, ihren aus Indien stammenden Ehemann Abhijit Banerjee und den US-Amerikaner Michael Kremer. Alle drei Ökonomen forschen in den USA: Das Ehepaar Duflo/Banerjee am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Kremer an der Harvard University.

"Die drei sind dafür bekannt, vor Ort in Entwicklungsländer, Slums, Elendsviertel rein zu gehen und das Phänomen Armut und die vielen Aspekte, die das hat, zu verstehen."
Silke Hahne, Dlf-Wirtschaftsredaktion

"Ihre Forschung hat uns geholfen, Armut zu bekämpfen", urteilte die Jury in ihrer Begründung der Preisvergabe. Sie hätten gezeigt, wie sich etwa die Schulbildung und die Gesundheit von Kindern mit kleinen Schritten verbessern ließe. Mit ihrem neuen, auf Experimenten basierenden Ansatz hätten sie die Entwicklungsökonomie innerhalb von nur knapp zwei Jahrzehnten in ein wachsendes Forschungsgebiet verwandelt.

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Alle drei ausgezeichneten Ökonomen seien dafür bekannt, vor Ort die Dinge anzugehen, sagt Dlf-Wirtschaftsredakteurin Silke Hahne. Besonders die Bereiche Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung hätten sie sich angeschaut und dabei ganz konkret Dinge untersucht.

Feldforschung in den Wirtschaftswissenschaften

Zum Beispiel: Was passiert, wenn man massenhaft Medikamente gegen Würmer an die Menschen verteilt? Was passiert, wenn man Kleinbauern per SMS Ratschläge zum Anbau schickt? Oder wenn man Schulen materiell besser ausstattet? "Ziel des Ganzen sei es, Entwicklungspolitik auf den Boden der Tatsachen zu stellen", so Silke Hahne.

"Was bringt etwas? Was kostet das? Lohnt sich das?"
Silke Hahne, Dlf-Wirtschaftsredaktion

Um die Bildung für Kinder in ärmeren Regionen der Welt zu verbessern, lieferten die drei Ökonomen wichtige Erkenntnisse. Michael Kremer beispielsweise hat belegt, dass allein das Verteilen etwa von Schulbüchern die Bildung nicht verbessern kann.

Das Ehepaar Duflo/Banerjee hat aufbauend darauf erklärt, wie Unterricht für viele Kinder funktionieren kann, so dass sie die Grundlagen lernen. Die Methode heißt "Teaching at the Right Level". Die Idee: Kinder werden in kleinen Gruppen, je nach Wissensstand, unterrichtet. In Indien und Afrika profitieren inzwischen rund 60 Millionen Kinder davon, sagt die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften, die den Preis verliehen hat.

Im Geiste Nobels

Auch wenn der Wirtschaftsnobelpreis nicht direkt auf Alfred Nobels Testament zurückgeht, sondern seit den 1960er-Jahren von der schwedischen Reichsbank gestiftet wird, sollen die ausgezeichneten Wissenschaftler doch im Geiste Nobels die Menschheit irgendwie voran bringen, sagt Silke Hahne. In diesem Sinne sei die Wahl der drei Preisträger in diesem Jahr eine gute Wahl.