Der Rat der Wirtschaftsweisen an die Bundesregierung in der Energiekrise: die Steuersätze für Spitzenverdiener zeitweilig anheben. Das könnte recht viele Menschen betreffen.

Wir haben eine Energiekrise, die uns und den Staat jede Menge Geld kosten wird. Viele sitzen in den letzten Herbsttagen noch in unbeheizten Räumen. Doch wenn es richtig kalt wird, machen wir früher oder später die Heizung an.

In ihrem Jahresgutachten formulieren die Wirtschaftsweisen Vorschläge, wie sich die Preissteigerungen unter anderem für Strom und Gas für Bürger*innen und den Staat ausgleichen lassen. Demnach empfehlen die Wirtschaftsweisen, die Steuern für Spitzenverdiener für eine Weile anzuheben.

Wer den Höchststeuersatz zahlt

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Gregor Lischka erklärt, dass nicht alle Spitzenverdiener*innen im steuerlichen Sinne als reich gelten. Nur letztere zahlen den Höchststeuersatz und da liegt die magische Grenze bei ungefähr 280.000 Euro (genau: 277.826 Euro) Einkommen pro Jahr. Wer solche Einkommen erzielt, zahlt den "Reichensteuersatz" von 45 Prozent.

Dass das nicht viele Leute in Deutschland sind, dürfte klar sein. Es sind etwa 100.000 Menschen, die diesen Steuersatz zahlen. Wenn wir von 80 Millionen Einwohner*innen ausgehen, sind das weniger als 1 Prozent.

Spitzenverdienende sind nicht gleich Reiche

In Deutschland gelten Bürgerinnen und Bürger als Spitzenverdienende, wenn sie im Jahr 58.597 Euro bekommen. Auf den Monat gerechnet sind das etwa 5.000 Euro. Und das sind weitaus mehr Menschen. "In Deutschland leben rund 4 Millionen Menschen, die um die 5.000 Euro pro Monat verdienen – und ab dann den sogenannten Spitzensteuersatz zahlen. Der liegt bei 42 Prozent", erklärt Gregor.

"Spitzenverdiener sind nicht so selten. Dein alter Mathelehrer, eine Handwerksmeisterin oder auch ein Assistenzarzt im Krankenhaus fallen da schnell drunter."
Gregor Lischka, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Doch diese 42 Prozent sind nicht die tatsächliche Steuerlast, denn auf die ersten 10.000 Euro des Einkommens bekommen Steuerpflichtige einen pauschalen Freibetrag, auf den keine Steuern gezahlt werden müssen. Auf die nächsten 10.- oder 20.000 Euro des Einkommens zahlen Steuerpflichtige in dieser Gehaltsklasse auch nicht unmittelbar 42 Prozent Steuern.

"Die Steuerlast steigt erst noch peu à peu an, bis eben zu dieser magischen Grenze von 58.597 Euro Einkommen pro Jahr."
Gregor Lischka, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

An einem Beispiel vorgerechnet würde es demnach bedeuten, dass wir ab 58.598 Euro pro Jahr 42 Prozent Spitzensteuersatz zahlen – und zwar nur auf den einen Euro, der die Grenze überschreitet. Gregor: "Von diesem einen Euro musst du dann 42 Prozent, also 42 Cent, versteuern. Alles was du davor verdient hast, unterliegt aber noch den anderen Regeln. Die fallen noch unter die Freibeträge, die niedrigeren Steuersätze."

Redaktioneller Hinweis: Wir haben den Artikel am 14. November 2022 konkretisiert.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Steffi Orbach
  • Gesprächspartner:  Gregor Lischka, Deutschlandfunk-Nova-Reporter