Zehntausende Menschen gehen in Russland auf die Straße, um gegen die Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow zu demonstrieren. Wütend ist auch der russischstämmige Schriftsteller Wladimir Kaminer.

Waldimir Kaminer war geschockt, als er vom Mord an Boris Nemzow gehört hat, erzählt er im Gespräch mit DRadio Wissen. Schon früher sei die Opposition in Russland bekämpft worden. So erhielt sie zum Beispiel keinen Zugang zu den Medien, die vom Staat kontrolliert werden. Aber dass ein Oppositionspolitiker kurz vor einer wichtigen Demonstration erschossen wird, habe es bislang selbst in Russland nicht gegeben.

"Das System hat Boris Nemzow ermordet"

Wer Schuld an der Ermordung von Boris Nemzow ist? Das System, sagt Wladimir Kaminer. Wenn russische Bürger im staatlichen Fernsehen nur mit Hass konfrontiert würden und ständig erzählt bekämen, wie böse die Opposition sei, dass sie ausschließlich aus Verrätern bestehe, dann sei es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich fragten: Warum leben diese Verräter überhaupt noch?

"Der Kräftevergleich zwischen Regierung und Opposition ist ein unfairer Kampf."
Wladimir Kaminer

Grundsätzlich herrsche in Russland eine Meinung vor: Das Land befindet sich im Krieg - gegen die USA, die in der Ukraine die Russen provoziere. Waldimir Kaminers Vermutung: Der Mörder von Boris Nemzow könnte ein Rückkehrer sein. Also zum Beispiel eine Person, die in der Ukraine gekämpft habe.

Die Opposition wird sich radikalisieren

Wenig Hoffnung hat Waldimir Kaminer, dass die Opposition in Russland durch den Anschlag gestärkt wird. Die Kräfte seien zu ungleich verteilt. Der Autor gibt zu: Wenn er in Russland leben würde, hätte er Angst, gegen die Regierung auf die Straße zu gehen. Dass jede Meinungsäußerung unterdrückt werde, könne nach seiner Meinung nur eins zur Folge haben: Die Oppositionsbewegung in Russland wird sich radikalisieren - und das sei keine gute Entwicklung.