In den Geschichten von William Saroyan passiert nicht so viel. Und doch werden die handelnden Personen zu Helden.

"Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich" heißt die titelgebende Erzählung von insgesamt sechzehn, die der US-amerikanische Schriftsteller William Saroyan in den Jahren zwischen 1934 und 1950 geschrieben hat und die erstmals ins Deutsche übersetzt worden sind.

In diesen Geschichten geht es vor allem um kleine, vermeintlich unscheinbare Momente. Unscheinbare Menschen tun an unscheinbaren Orten unscheinbare Dinge, wie beispielsweise Joe, der zwanzig nach acht pfeifend das Büro betritt – und es kurze Zeit später wieder verlässt, weil er den Job gekündigt hat.

Mehr passiert eigentlich nicht.

Lokomotive 38 kauft ein Auto und lässt sich von einem 14-Jährigen herumfahren

Dass das Wenige, das William Saroyan beschreibt, aus manchem Blickwinkel gesehen, aber doch ganz schön viel ist, steht außer Frage. Joes erhabener Moment, als er seine Kündigung ausspricht und das Büro verlässt, verändert mindestens zwei Leben: seines und das der Kollegin.

Oder die Geschichte von dem Mann, der eines Tages auf einem Esel in die Stadt geritten kommt, der behauptet, ein Indianer vom Stamm der Ojibwe zu sein und Lokomotive 38 zu heißen, den alle für einen Irren halten, der aus einer geschlossenen Anstalt geflohen ist, den aber scheinbar keiner aufhalten oder festnehmen kann.

Er behauptet, Papiere bei sich zu tragen, die ihn schützen, was auch immer das heißen mag. Lokomotive 38 fragt einen vierzehnjährigen Jungen, der gerade vor einem fetten Eisbecher sitzt, ob er Auto fahren könne. Kann der Junge nicht, er sagt aber trotzdem Ja. Also kauft Lokomotive 38 das teuerste Auto, das er kriegen kann, und lässt sich herumfahren.

William Saroyans erzählt von Männern in Wettstuben, Männern in Frisörsalons, von Männern auf Eseln, an Kneipentresen und in Autos. Und er macht aus jedem von ihnen einen Helden.

Buch:

"Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich" von William Saroyan, aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt von Nikolaus Stingl, mit einem Nachwort von Richard Kämmerlings.