Möblierte Wohnungen - das ist längst nicht mehr ein Nischenmarkt. In München oder Stuttgart machen solche Wohnungen 60 Prozent des Mietmarkts aus. Aber ist das deswegen gleich Abzocke?

Die Mietpreisbremse soll angeblich Vermieter dazu verführen, Wohnungen zu möblieren, um damit die Einschränkungen für Quadratmeterpreise umgehen zu können. In Stuttgart und München sei vor vier Jahren jeweils nur rund ein Drittel der Wohnungen möbliert gewesen. Heute sind es knapp zwei Drittel. Vermieter zwingen Mietern ihre mit Sperrmüll vollgestellten Butzen auf, um sie dann abzuziehen?

Die Zahlen kommen vom Institut Empirica. Die Süddeutsche Zeitung hat dort nachgefragt und eine deskriptive Statistik bekommen. Das heißt, die Zahlen sind noch nicht interpretiert.

"Geschäftsleute werden preisbewusster, auch junge Familien. Hotel ist natürlich ein anderer Kostenfaktor."
Leonie Loppe, Gründerin von Welcome Wendy

Leonie Loppe hat 2015 die Firma Welcome Wendy gegründet. Sie richtet sich an potentielle Vermieter möblierter Wohnungen. Aus ihrer Sicht steigen Angebot und Nachfrage gleichmäßig. Zu viele möblierte Wohnungen hat sie bisher nicht beobachtet. Möblierte Wohnungen seien 60 bis 80 Prozent teurer als Mietwohnungen. Und was jeder weiß: In den vergangenen Jahren ist der private kurzfristige Wohnungsmarkt, also Airbnb und Co., kräftig in Fahrt gekommen.

"Vielleicht ist die erste Frage, wie kommen Institute wie Empirica zu Zahlen, wonach der Großteil des Wohnungsmarktes darin besteht, dass das meiste möbliert angeboten wird. Ich denke, dass diese Zahl verifiziert werden muss."
Ulrich Ropertz, Geschäftsführer vom Mieterbund

Der Immobilienmarkt ist in den deutschen Ballungsgebieten und Metropolen angespannt. Das ist nicht neu. Eine Wohnung suchen, das ist in vielen deutschen Großstädten schwierig, teuer und vielleicht frustrierend. Dass aber Vermieter Möbel dazu nutzen würden, die Mietpreisbremse auszuhebeln, dafür haben wir keinen einzigen Beleg gefunden. Und auch die Frage, ob die Zahl der möblierten Wohnungen überhaupt derart angestiegen ist, lässt sich vermutlich erst dann beantworten, wenn es eine vernünftige Datenbasis gibt.