Bei der Renovierung und Instandsetzung von Wohnungen oder WG-Zimmern entsteht viel Müll, wenn wir uns für etwas Neues entscheiden. Wer seine Wohnung oder sein WG-Zimmer umgestalten oder renovieren möchte, kann trotzdem einiges beachten, um so nachhaltig wie möglich vorzugehen.
Häuser und Wohnungen bauen, renovieren und sie wieder abreißen - das frisst einerseits sehr viel Energie und verursacht Treibhausgase und produziert andererseits große Mengen an Müll. Mehr als die Hälfte des Mülls in Deutschland entsteht in Zusammenhang mit Baustellen oder durch Abriss. Zudem verbraucht die Baubranche extrem viele Rohstoffe – recycelt wird dagegen bisher nur wenig.

Dabei könnte der Bausektor deutlich nachhaltiger handeln und hätte durchaus das Potenzial, umweltfreundlicher zu sein, sagt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe.

Nicht gleich wegschmeißen!

Wer beispielsweise in ein neues WG-Zimmer zieht, das noch mit Möbeln der Vormieterin voll steht, kann sich also erst mal überlegen, welche Möbelstücke noch zu gebrauchen sind und welche nicht, anstatt sie alle auf den Müll zu bringen. Der alte Tisch? Vielleicht könnte er mit einem neuen Anstrich oder Schliff gar nicht mal so übel aussehen. Die Kommode ist zu klein? Dann ab damit zu Secondhand-Läden, in Ebay-Kleinanzeigen oder in Facebook-Gruppen.
"Man sollte vielleicht schon erst mal schauen, was von den Dingen kann man auch noch behalten beziehungsweise, wenn man es nicht mehr möchte, dass man es nicht einfach verschrottet."
Philipp Sommer, Deutsche Umwelthilfe

Wer ein Zimmer oder eine ganze Wohnung nachhaltig renovieren möchte, kann sich auch erst mal auf dem Gebrauchtmarkt umsehen – denn dort gibt es nicht nur Möbel zu kaufen. Auch Waschbecken, Fenster, Türe, Griffe oder Elektrogeräte lassen sich gebraucht erwerben. Die Seite Bauteilnetz bietet beispielsweise vieles an und auch manche lokale Wertstoffhöfe verkaufen gut erhaltene Secondhand-Teile.

Tapetenwechsel

Alte Teile korrekt entsorgen

Manche Dinge, wie beispielsweise ein alter, verstaubter Teppich oder ein dreckiger Laminatboden, möchte man dann vielleicht doch nicht von den Vormietern übernehmen. Hier gilt es, richtig zu entsorgen, denn die Wieder-Verwertungsmöglichkeiten sind eher gering. Alte Böden dürfen beispielsweise nicht im normalen Hausmüll entsorgt werden, sondern kommen auf den kommunalen Wertstoffhof. Kleine Mengen kosten im Normalfall nichts, bei größeren Mengen fällt eine Gebühr an.

Die abgekratzte Tapete darf in den Restmüll, sollte aber auf keinen Fall in der Papiertonne landen. Größere Mengen gehören aber ebenfalls auf den Recyclinghof. Für einen neuen Wandanstrich rät Philipp Sommer dazu, immer auf das Blaue-Engel-Siegel zu achten, da diese Farbe weniger schädliche Lösemittel, Weichmacher oder Konservierungsmittel enthält. Ein weiterer Tipp: Immer darauf achten, auf welchem Untergrund gestrichen wird. Auf einem mineralischen Untergrund sollte man auch mit mineralischer Farbe arbeiten, sagt Philipp Sommer.

Boden: Klick-Parkett oder nachhaltiges Holzmaterial

Sind alle ungewünschten Möbelstücke oder Böden aus der Wohnung heraus, kann die neue Einrichtung kommen. Der ideale Boden ist natürlich einer, der lange hält. Arnd Remensperger ist Schreinermeister in Konstanz und rät beispielsweise bei Altbauwohnungen dazu, den alten Bretterboden unter dem abgerissenen Boden einfach wieder aufzupolieren: erst abschleifen und dann idealerweise noch ein naturbelassenes Öl in den Boden einlassen.

"Wenn man in einem Altbau wohnt und man hat noch den alten Bretterboden unten drunter - den abzuschleifen und ihn einfach wieder weiter zu nutzen, wäre am nachhaltigsten."
Arnd Remensperger, Schreinermeister aus Konstanz

Wer nicht das Glück hat, einen alten Holzboden vorzufinden, dem rät Arnd Remensperger dazu, einen neuen Parkettboden schwimmend zu verlegen. Schwimmend bedeutet, dass er nicht am Untergrund befestigt wird - auch bekannt als Klick-Parkett.

Traurig blickender Mülleimer

Für alte Dielen gebe es einen sehr guten Gebrauchtmarkt, sagt auch Philipp Sommer. Aber auch grundsätzlich ist Holz ein ziemlich nachhaltiger Baustoff, weil er eben nachwachsen kann. Allerdings sollte man hier beim Kauf immer auf das FSC-Siegel achten, rät Arnd Remensperger. Anstatt auf Dielen aus Tropenhölzern zurückzugreifen, gebe es auch bei uns in Europa genug stabile und schöne Hölzer aus gesunder Forstwirtschaft.

"Wir haben genug stabile und schöne Hölzer hier bei uns in Europa, die man für einen Boden verwenden kann. Da muss man nicht aus Südostasien oder Afrika irgendetwas importieren."
Arnd Remensperger, Schreinermeister aus Konstanz
Grundsätzlich gilt beim Renovieren, Umbauen oder Neu-Einrichten also immer: Nichts ist für die Ewigkeit. Wer also neue Materialien verbaut oder kauft, sollte sich immer bewusst darüber sein, dass diese irgendwann wieder entsorgt werden müssen. Und je nachhaltiger das dann geht, desto besser.