Der Staat baut wieder mehr Sozialwohnungen. Das klingt erst mal gut. Doch Volker Eichener, Experte für Stadtentwicklung sagt, das reicht nicht: "Wir können gar nicht so viel bauen, um die Wohnungsnot wirksam zu bekämpfen."

Im vergangenen Jahr wurden bis zu 10.000 Sozialwohnungen mehr gebaut als noch im Jahr davor, berichtet die Zeitung Rheinische Post. Im Ranking des Neubaus von Sozialwohnungen steht Nordrhein-Westfalen mit Abstand an der Spitze, gefolgt von Bayern und Berlin auf Platz zwei und drei. Aber wer hat überhaupt Anspruch auf eine Sozialwohnung? 

"Der Wohnberechtigungsschein ist die Eintrittskarte, eine Sozialwohnung beziehen zu dürfen."
Volker Eichener, Experte für Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft an der Hochschule Düsseldorf

Wichtig ist hier vor allem das Einkommen. Die Einkommensgrenzen differieren beispielsweise je nach Anzahl der Kinder in einem Haushalt. Aber auch Studierende mit geringem Einkommen haben Anspruch auf eine Sozialwohnung, sagt Eichener. Allerdings liegen viele der Wohnungen nicht zentral und Studenten wohnen gerne innerstädtisch.

Neue Wohnungsnot in den Großstädten

Oft werden Sozialwohnungen in städtischen Randbezirken gebaut. Viele Siedlungen haben sich hier zu sozialen Brennpunkten entwickelt. Leider haben Menschen, die unterhalb der Einkommensgrenze leben, oft auch soziale Probleme, sagt Eichener. Bei ausreichendem Sozialwohnungsbestand können die Kommunen problematische Haushalte mehr streuen und der Gettobildung vorbeugen.

"Wenn die Wohnungsbestände kleiner werden, dann haben wir automatisch eine Konzentration von Haushalten mit großen sozialen Problemen in ganz bestimmten Quartieren."
Volker Eichener, Experte für Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft an der Hochschule Düsseldorf

Das Prinzip der Sozialwohnungen wurde in der Nachkriegszeit entwickelt, als über sechs Millionen Wohnungen fehlten. "Es ging darum, überhaupt Wohnungen zu schaffen“, so Volker Eichener. Die Situation hat sich mittlerweile wieder verschlechtert: "In den letzten Jahrzehnten wurden viel zu wenig Sozialwohnungen gebaut", sagt der Experte. Zwar wurden im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr über 10.000 Sozialwohnungen mehr gebaut, doch gehen die Steigerungsraten von einem  niedrigen Niveau aus, so Eichener.

So kommt das Land Nordrhein-Westfalen beispielsweise nicht an die Zahlen von 2005 heran. "Heute haben wir eine neue Wohnungsnot in den Großstädten und wir müssten eigentlich mindestens doppelt, wenn nicht dreimal so viel den sozialen Wohnungsbau fördern", sagt der Experte und zeichnet eine düsteres Bild:

"In den letzten Jahren hat sich eine erhebliche Wohnungsnot entwickelt. Wir können gar nicht so viel bauen, um die Wohnungsnot wirksam zu bekämpfen."
Volker Eichener, Experte für Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft an der Hochschule Düsseldorf