Seit fast vier Jahrzehnten ist "Das Schwarze Auge" ("DSA") das beliebteste deutsche Pen-and-Paper-Rollenspiel. Nun soll es als Videospiel erfolgreich werden.

Normalerweise wird das Spiel "Das Schwarze Auge" (DSA) an einem Tisch mit Bleistift und Würfeln gespielt. Vier oder fünf Spieler*innen erzählen sich dann eine Fantasy-Geschichte. Das neu erschienene Videospiel "Wolves on the Westwind" baut darauf auf und erzählt ein Abenteuer, das in der Welt von DSA spielt.

"Das Game ist eine Visual Novel, also ein Fantasy-Roman zum Mitspielen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher. "Das ist eine Art Fantasy-Wikingerland voller mutiger Frauen und Männern. Die Spielfigur stolpert da versehentlich rein und macht sich an die Arbeit, es mit dem uralten Bösen aufzunehmen."

Mehr Leseerlebnis, weniger Spiel

Die Spieler*innen können sich zu Beginn aussuchen, mit welcher Figur sie diesen Kampf antreten wollen. Zur Auswahl stehen der etwas ältere Söldner Alrik. "Er ist ein Haudegen, der schnell dabei ist, wenn es in einen Schwertkampf geht", sagt Thomas Ruscher. Alternativ tritt Nedime, eine junge Zauberin aus dem Süden, den Kampf gegen das Böse an.

"Du stolperst fast über dein Gewand, als du vom Weg hechtest und unter einen Baum springst. Als du mit den Händen hart auf dem Boden aufschlägst, hörst du den Pfeil vorüber schwirren. Das Blut rauscht dir in den Ohren, und dein Atem geht rau und schwer."
Eine Szene aus "Wolves on the Westwind"

Fast das komplette Spiel wird – wie ein Roman – über Worte erzählt. Die Spieler*innen lesen und klicken sich selbst durch die Geschichte. "In 'Wolves on the Westwind' steckt nicht viel Spiel, es ist eher eine Lese-Erfahrung", sagt Thomas Ruscher.

"Das ist ein bisschen wie ein Choose-your-own-Adventure-Buch. Je nach Wahl mussten die Leser*innen dann auf Seite 64 oder Seite 152 weiterlesen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher über "Wolves on the Westwind"

Was Spieler*innen aber machen können, ist die Geschichte zu beeinflussen. Denn die wird immer wieder an wichtigen Stellen unterbrochen. Die Spieler*innen müssen sich dann entscheiden, was Nedime oder Alrik machen sollen und wie sie sich gegenüber anderen Charakteren verhalten sollen.

Doch "Wolves on the Westwind" geht etwas weiter als die Choose-your-own-Adventure-Bücher, die viele von uns aus der Jugend kennen, sagt Thomas Ruscher. "Das ist keine Abenteuergeschichte, in der sich eine Actionszene an die nächste reiht, es geht viel mehr um die Hintergründe, die Charaktere, worüber sie sich Sorgen machen und so weiter", sagt er.

Eine Geschichte aus mehreren Perspektiven

Thomas findet, dass sich das Game besser für mobile Geräte eignet. "Da konnte ich auf der Couch lümmeln und bin in die Geschichte reingekommen", sagt er. "Ich wollte wissen, wie es mit den Figuren weitergeht."

Inhaltlich erleben Alrik- und Nedime-Spieler*innen dieselbe Geschichte. "Wir haben zwei Romane in einem Spiel", sagt Thomas Ruscher. "Je nachdem, wen ich spiele, erlebe ich den gleichen Roman aus einer anderen Perspektive. Wer also richtig Bock hat, kann das Spiel gleich zweimal durchzocken, einmal als Nedime, einmal als Alrik. Ich würde dazwischen allerdings eine lange Pause machen – auch ein gutes Buch liest man ja nicht sofort noch einmal."

Außerdem stellt Thomas weitere "DSA"-Computerspiele vor – und erklärt, warum die nicht so erfolgreich waren. Einfach oben auf den Playbutton klicken und das ganze Gespräch hören.