Ihr wollt heilig gesprochen werden wie Mutter Teresa? Dann strengt euch mal an: Denn vor einer Heiligsprechung muss in der Regel ein Wunder geschehen.

Anfang September soll es passieren: Dann soll Mutter Teresa vom Papst höchstpersönlich heilig gesprochen werden. Wenn ihr dem Vorbild der Ordensschwester und Missionarin nacheifern wollt, müsst ihr - so sehen es die Regularien des Kirchenstaats Vatikan vor - erst einmal ein Wunder vollbringen.

Genauer gesagt braucht ihr eigentlich sogar zwei Wunder: Eins für die Seligsprechung - und dann noch mal eins für die Heiligsprechung. Für Papst Johannes XXIII. wurde allerdings eine Ausnahme gemacht. Er wurde 2014 heilig gesprochen, weil er es nach Ansicht von Kirche und Papst einfach verdient hatte - auch ohne anerkanntes Wunder.

Vatikanstaatlich geprüfte Wunderheilung

Das Wunder, für das Mutter Teresa heilig gesprochen werden soll, soll sich im Jahr 2008 ereignet haben: Damals lebte in der brasilianischen Stadt Santos ein Mann, der an mehreren Gehirntumoren litt, die Ärzte hatten die Hoffnung auf Heilung schon fast aufgegeben. Als er notoperiert werden soll, richtet seine Frau ihre Gebete in Richtung Mutter Teresa. Wenig später soll ihr Mann wieder gesund gewesen sein. War das wirklich ein Wunder? Die katholische Kirche sagt: Klaro - haben wir überprüft.

"Wenn die vom Vatikan beauftragten Ärzte sagen: Diese Heilung ist mit wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu erklären - dann befindet man, dass ein Wunder vorliegt."
Gregor Hoppe, Korrespondent in Rom

Was alle Wunder gemeinsam haben: Hinter ihnen stecken Geschichten. Unglaubliche Geschichten, die denen, die an sie glauben, Kraft geben können. Hinter der Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. zum Beispiel steckt folgende Geschichte:

Die Costa-Ricanerin Floribeth Mora Diaz hat 2011 heftige Kopfschmerzen, geht zum Arzt, kriegt die Diagnose Aneurysma. Ihr Zustand verschlechtert sich in den nächsten Jahren, 2014 bekommt sie die letzte Ölung - rund um den Termin, an dem Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom selig gesprochen werden soll. Floribeth Mora Diaz verfolgt die TV-Übertragung, über dem Fernseher hängt ein Bild von Papst Johannes Paul II. Sie betet - und wird wieder gesund.

"Gott wirkt durch die Heiligen auf die Gläubigen, die in Not sind und gibt ihnen durch sie neue Kraft - das ist die Idee hinter den Heiligsprechungen der katholischen Kirche."
DRadio-Wissen-Reporter Stephan Beuting

Es gibt keinen Ort, an dem diese Art von Wunder häufiger geklappt haben soll, als in der Grotte von Massabielle, in Lourdes: 7000 Heilungen sollen dort stattgefunden haben. 69 wurden von der Kirche als Wunderheilungen anerkannt.

Es geht auch ohne Wunder

Was viele Gläubige und die katholische Kirche als Wunderbeweis ansehen, nennen Ärzte Spontanheilung. Auch wenn es extrem selten ist, kommt es vor, dass etwa ein Krebstumor verschwindet - ohne dass die Ärzte erklären können, warum. Spontanremission lautet der medizinische Fachausdruck für dieses Phänomen. Der US-Astronom Carl Sagan hat in diesem Zusammenhang vor einigen Jahren ausgerechnet: Die Aussichten kranker Menschen auf eine Spontanheilung sind statistisch gesehen größer, wenn sie nicht nach Lourdes fahren und dort auf ein Wunder hoffen.