Usbeken unter Generalverdacht? Einige Täter der jüngsten Anschläge stammen aus dem zentralasiatischen Land. Darüber sprechen wir mit unserem Korrespondenten für die Region.

Eine bemerkenswerte Häufung: Der Anschlag mit einem Kleinlaster in New York am 31. Oktober – mutmaßlich von Sayfullo Saipov - , das Attentat mit einem LKW in Stockholm am 7. April, die Bombe in der U-Bahn von St. Petersburg am 3. April und der Angriff auf den Nachtclub Reina in Istanbul am 1. Januar: In diesem Jahr sind bisher vier größere terroristische Anschläge von Männern usbekischer Herkunft verübt worden.

"Was auffällt ist, dass die Radikalisierung tatsächlich dann erst im Ausland stattgefunden hat - im jüngsten Fall in den USA."
ARD-Hörfunkkorrespondent in Moskau, Markus Sambale

Was heißt das für den mutmaßlichen Attentäters von New York: Sayfullo Saipov, war 2010 in die USA eingereist. Im Jahr 2013 heiratet er eine Usbekin und gründete eine Familie. Sie lebten in New Jersey.

Über das Herkunftsland Usbekistan hinaus, sind Menschen aus dem Westen Zentralasiens generell  schon seit Jahren im Blick der Sicherheitsbehörden. Wenn die Radikalisierung – wie im Fall Sayfullo Saipovs – nach der Einreise stattfindet, verspricht die Suche von Verdächtigen nach Nationalität keinen nennenswerten Sicherheitsgewinn.

Zentralasien hat ein Sicherheitsproblem

Fest steht, dass sich die Sicherheitslage in Zentralasien generell drastisch verschlechtert hat – von der westlichen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt.  Die Region erlebte im Jahr 2016 eine neue Welle der Radikalisierung. So beschreibt es eine Studie des Kazakh Institute for Strategic Studies (PDF). Anschläge auch dort: Im August 2016 wurde beispielsweise die chinesische Botschaft in Bishkek angegriffen.

Allerdings wendet sich diese Radikalisierung im Westen Zentralasiens eher nach außen. Der globale Jihadismus rekrutiert eine Vielzahl seiner Kämpfer aus der Region. Noch unterstützt von der Tatsache, dass die tendenziell autoritären Regierungen der zentralasiatischen Staaten den Extremismusvorwurf innenpolitisch nutzen. Das beschreibt eine aktuelle Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (PDF).

"Bei einem Land mit 30 Millionen Einwohnern, wie Usbekistan, tut man den vielen Menschen Unrecht, wenn man sagt, ihr Land sei komplett Nährboden für Terrorismus."
ARD-Hörfunkkorrespondent in Moskau, Markus Sambale

Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Kasachstan, Turkmenistan bleiben weitgehend unbeobachtet vom Westen, während Afghanistan wegen des internationalen Militäreinsatzes zumindest oberflächlich im Blick bleibt. Die wirtschaftliche Lage in diesen Ländern Zentralasiens ist generell schlecht und ethnische Konflikte – während der Sowjetzeit unterdrückt – destabilisieren die Situation zusätzlich. Die Fachzeitschrift Osteuropa schrieb bereits 2007 vom Machtmosaik Zentralasien.

Bleibt als Ergebnis: Wie die Radikalisierung von Tätern und Verdächtigen genau abläuft, sollte – unabhängig von der Herkunft – im Einzelfall nachvollzogen werden. Bei Usbeken - und bei allen anderen auch.

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