Viele Menschen trauen sich nicht, mit dem Rauchen aufzuhören, weil sie Angst vor den psychischen Folgen durch Stress oder den Veränderungen in ihrem Sozialleben haben. Eine Überblicksstudie aus Großbritannien sagt jetzt: Genau das Gegenteil ist der Fall.

Mit der Auswertung von Daten aus rund 70 Studien haben Forschende aus Großbritannien herausfinden wollen, wie es Menschen psychisch geht, nachdem sie aufgehört haben zu rauchen. Entgegen den Befürchtungen vieler Raucherinnen und Raucher ergab die Überblicksstudie, dass es den Menschen nach dem Rauchstopp psychisch besser ging als denen, die nicht aufgehört haben.

Keine Zigarette mehr gegen den Stress benötigt

In 32 Studien gab es Hinweise darauf, dass die Menschen allgemein positivere Gefühle ohne Zigarette hatten. Vier Studien bestätigten zudem, dass die Probandinnen und Probanden nach dem Aufhören weniger Stress hatten als davor. Sie brauchten also keine Zigarette mehr zum "Runterkommen".

Soziales Wohlbefinden verschlechtert sich nicht

Eine Sorge von vielen Raucherinnen und Rauchern ist es auch, dass sie nach dem Aufhören nicht mehr die gleichen sozialen Kontakte halten können. Oft wird ja behauptet, dass die besten Gespräche draußen vor der Kneipe und mit der Zigarette in der Hand stattfinden.

Dass sich das soziale Wohlbefinden durch das Aufhören verschlechtert, konnte durch die Studienauswertung aber ebenfalls nicht belegt werden. Ganz im Gegenteil: In neun Studien wurde darauf hingewiesen, dass sich das Sozialleben der Ex-Raucherinnen und Ex-Raucher sogar verbessert habe.

"In neun Studien gab es Hinweise, dass sich das Sozialleben nach dem Aufhören sogar leicht verbesserte."
Jan Bungartz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Depressionen oder Angstzustände werden laut der Forschenden nach dem Rauchen auch nicht verstärkt, sondern im besten Fall sogar verringert.

Corona-Pandemie und Rauchen

Die Forschenden konnten auch Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich das Rauchverhalten während der Pandemie verändert hat. Vor dem ersten Lockdown 2020 sagten in Deutschland beispielsweise knapp 29 Prozent der Befragten, dass sie rauchen. Nach dem Lockdown im Sommer 2020 waren es zwei Prozent weniger. Jedoch kam auch heraus, dass ein großer Teil der Menschen, der geraucht hat, im Lockdown häufiger zur Zigarette gegriffen habe als zuvor.