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Das Zirpen von Zikaden kann manchmal ganz schön laut werden. In den USA machen alle 17 Jahre Milliarden von Singzikaden viel Lärm, weil sie genau eins wollen: Sex. Ein Pilz kann ihnen dabei aber gefährlich werden.

Es ist Sommer, draußen ist es warm und im Hintergrund hört man sie surren: die Zikaden. Mit ihrem Zirpen locken männliche Zikaden Weibchen für die Paarung an.

Den Osten der USA haben die Insekten mit den stechend roten Augen und großen durchsichtigen Flügeln in den vergangenen Wochen regelrecht belagert, um sich fortzupflanzen. Dafür sind Milliarden der Singzikaden zwischen Washington D.C. und New Jersey aus dem Boden gekrochen.

Die ausgewachsenen Insekten kommen nur alle 17 Jahre für die Paarung an die Oberfläche und sterben danach wieder ab. Gemeinsam können sie eine Lautstärke von bis zu 97 Dezibel erreichen, was ungefähr so laut ist wie ein voll aufgedrehter Kopfhörer. Die Magicicada septendecim ist eine Unterart der Zikadengattung der Magicicada kommt in Osten der USA und Kanada vor.

Veranstaltungen zikadenbedingt abgesagt

In der Vergangenheit haben sich die Menschen in den USA mit Tennisschlägern gegen die zwei bis drei Zentimeter langen Insekten gewehrt, die während ihrer Fortpflanzungszeit in Bäumen und Sträuchern sitzen.

Andere sind in dieser Zeit – die bis zu sechs Wochen anhalten kann – wegen der Milliarden Insekten so gut es ging zu Hause geblieben. Auch Open-Air-Veranstaltungen wurden schon "zikadenbedingt" abgesagt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig.

Kochrezepte mit Zikaden

Ein weiterer, eher netter, Versuch, der Plage entgegenzuwirken, ist, sie zu essen. Weil die Insekten viel Protein und wenig Fett enthalten, gelten sie als nahrhaft und gesund. Insektenforscherin Isa Betancourt nennt sie daher die "Shrimps des Landes".

Die Ökologin Jenna Jadin hat in ihrer Zeit als Doktorandin an der University of Maryland sogar ein Kochbuch mit Rezepten auf Zikadenbasis herausgebracht. Laut Expertinnen und Experten würden sich die frisch aus dem Boden geschlüpften Nymphen besonders gut zum Essen eignen, die noch keine Flügel haben und weich sind.

"Auf der Welt essen rund zwei Milliarden Menschen Insekten. In Europa und den USA tut man sich da noch schwer. Zikaden sind aber äußert nahrhaft und gesund."
Mario Ludwig, Biologe

Auch bei Tieren sind Zikaden als Snack beliebt. Für Vögel seien Zikaden ein regelrechtes All-you-can-eat-Buffet, sagte Insektenforscherin Zoe Getman-Pickering von der George Washington University im Deutschlandfunk. Es gebe Berichte über Vögel und Eichhörnchen, die so viele Zikaden gefressen hätten, dass sie sich nicht mehr bewegen können.

Die leere Hülle nutzbar machen

In anderen Teilen der Welt dienen die Zikaden als eine Art Upcycling-Projekt. Der damalige japanische High-School-Student, der sich auf Twitter Ride Hero nennt, hat aus den Hüllen der Zikaden Figuren aus den Filmen wie Godzilla, Ultraman oder Super Sentai nachgebastelt. Die Hüllen verlieren die Zikaden, wenn sie sich ein letztes Mal verpuppen. Sie bleiben massenhaft auf dem Boden liegen.

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Pilz macht Zikaden zu Zombies

Für den Menschen und die Natur sind Zikaden übrigens nicht schädlich. Den Singzikaden kann allerdings der Pilz mit dem Namen Massospora cicadina gefährlich werden. Der frisst sie langsam von innen auf und verwandelt sie in zombieartige Wesen, sagt Mario Ludwig.

Über den Halluzinationen hervorrufenden Stoff Psilocybin sorgt der Pilz dafür, dass sich die Zikaden hypersexuell verhalten, sich also mit so vielen anderen Zikaden paaren wie möglich. Dabei geben die betroffenen Singzikaden die Sporen des Pilzes weiter, wodurch dieser die anderen Insekten befällt und sich vermehrt.