Bei einer Zoonose springt ein Krankheitserreger von einem Tier auf einen Menschen über. Forschende aus den USA haben jetzt ein Ranking der gefährlichsten Zoonose-Viren erstellt. Sars-Cov-2 landet hier auf dem zweiten Platz. Das größte Risiko besteht beim Lassa-Virus.

Seit über einem Jahr bestimmt Sars-Cov-2 unseren Alltag. Beim Ranking von Forschenden aus den USA, die das Übertragungs-Risiko verschiedener Viren von Tieren auf Menschen einstufen, landet das Virus aber nur auf dem zweiten Platz. An der Spitze der Liste steht das Lassa-Virus, das in vielen westafrikanischen Ländern weit verbreitet ist. Übertragen wird es durch eine Mäuse-Art und verursacht eine ziemlich gefährliche Fieberkrankheit, sagt unsere Reporterin Inga Gebauer.

"An der Spitze steht das Lassa-Virus. Das ist in vielen westafrikanischen Ländern weit verbreitet und wird durch eine Mäuse-Art übertragen. Es verursacht eine ziemlich gefährliche Fieberkrankheit."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk Nova, Wissensnachrichten

Wenn ein Virus von einem tierischen Wirt auf einen Menschen überspringt, sprechen Forschende von einem Spill-Over. Das Corona-Virus liegt derzeit auch auf Platz zwei, da noch nicht alle Informationen für die Risikobewertung bekannt sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wissen zum Beispiel nicht, wie viele verschiedene Wirtstiere es gibt. Das muss noch erforscht werden, sagt unsere Reporterin.

Ebola, Seol- und das Nipah-Virus

Auf den Plätzen drei bis fünf liegen das Ebola, Seol- und das Nipah-Virus. Alle drei Viren können ziemlich schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen. Das Ebola-Virus wird wohl von Fledermäusen übertragen. Das Seol-Virus, das durch Ratten übertragen werden kann, ist vor allem in Asien verbreitet. Es gab aber auch schon einen Fall in Deutschland. Auch das Nipah-Virus kommt hauptsächlich in Asien vor. Wirtstiere sind auch hier wieder Fledermäuse.

Liste von 900 Viren und Bakterien

Insgesamt sind auf der Liste 900 Viren und Bakterien verzeichnet. Inzwischen sind ungefähr 250 Erreger bekannt, bei denen der Spill-Over schon passiert ist, sagt Inga. Bei hunderttausenden besteht das Potenzial dazu.

Die Erreger in der Liste stammen aus Proben von Wildtieren, die die Forschenden über mehrere Jahre gesammelt haben. Diese wurden dann auf bestimmte Risikofaktoren hin untersucht. Die Forschenden haben sich viele Studien angesehen, um herauszufinden, was einen Spill-Over vom Tier auf den Menschen begünstigt.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Daraus haben sie dann Risikofaktoren entwickelt – beispielsweise, wie viele verschiedene Tierarten ein Virus oder Bakterium befallen kann, wie verbreitet Wirtstiere sind und wie oft Wirtstiere mit Menschen in Kontakt kommen.

Zudem gibt es genetische Eigenschaften der Erreger, die die Übertragung auf den Menschen begünstigen könnten. Analysiert wurden auch mögliche Übertragungswege, Bisse der Tiere oder Kontakt mit ihren Ausscheidungen. Insgesamt haben die Forschenden 31 Faktoren ermittelt, mit denen das Risiko eines Spill-Overs eingeschätzt werden kann.

Coronaviren können auch in Zukunft gefährlich werden

Bei der Einschätzung der Forschenden handelt es sich um Wahrscheinlichkeiten eines Spill-Overs. Bei ihrer Bewertung sind auch Erreger aufgelistet, bei denen bisher noch keine Übertragung auf den Menschen festgestellt werden konnte, sagt Inga Gebauer. Bei manchen Erregern scheint das Übertragungsrisiko dabei größer als bei solchen, bei denen es bereits einen Spill-Over gegeben hat.