Die Rheinländerin Julia Komp gilt als die erfolgreichste Newcomerin der deutschen Gastroszene. Im letzten Jahr hat die Küchenchefin des Restaurants Schloss Loersfeld einen Michelin-Stern bekommen – als jüngste Deutsche überhaupt. Wir haben die 28-Jährige besucht und mit ihr über ihren Erfolg und ihre größte Leidenschaft gesprochen.

"Ein wunderschönes Fleckchen Erde mitten im Grünen", schwärmt unser Reporter Sebastian Sonntag, der rausgefahren ist und Julia Komp an ihrem Arbeitsplatz - dem Restaurant Schloss Loersfeld in Kerpen - besucht hat. Julia liebt ihren Job und die Atmosphäre im Restaurant: "Hier ist ein kleines Team, der Chef ist cool, relativ jung und dynamisch", sagt sie. Mittags essen alle zusammen, und abends trinkt das Team auch gerne mal ein gemeinsames Bierchen. Ein Ausgleich, der sein muss.

"Es ist auf jeden Fall ein harter Job. Auch körperlich. Aber man macht das halt aus Liebe."
Julia Komp, Sterneköchin
Frau in einer Profi-Küche
© Sebastian Sonntag | Deutschlandfunk Nova
Julia Komp an ihrem Arbeitsplatz, der Küche im Restaurant Schloss Loersfeld

Ihr Essen soll glücklich machen

Um 10 Uhr morgens fangen Julia und ihr Team mit den Vorbereitungen an. Ab zwölf Uhr mittags ist das Restaurant geöffnet. Ab 15 Uhr ist im Idealfall Mittagspause. Ab 19 Uhr geht es dann weiter mit den Abendgästen. Und dann ist das Restaurant geöffnet bis Open End, sagt Julia: "Der Wunsch, erfolgreich zu sein und die Leute mit dem Essen glücklich zu machen, der lässt alles vergessen."

Auf einem Gourmefest hat Julia den damaligen Küchenchef von Schloss Loersfeld kennengelernt und sich dann als Beilagenköchin beworben. "Dann bin ich im Oktober an einem Samstagnachmittag bei wunderschönem Wetter hingefahren. Der Park war so golden, knallblauer Himmel - und dann diese Einfahrt. Da habe ich mich direkt verliebt", sagt sie. 

Es ist angerichtet: Lammbäckchen mit Couscous

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Julia ist als Küchenchefin nicht nur für die Gerichte, sondern auch für die Lebensmittellieferungen verantwortlich - und sie kümmert sich auch, wie jeder gute Koch, um das dreckige Geschirr: 

"Generell putze ich meine Sachen selbst und räum auch selber weg, sonst verliert man halt den Überblick."
Julia Komp, Sterneköchin

Wenn der Tester kommt

Es war an einem Dienstag, Ende Mai, Anfang Juni. Julia wollte eigentlich auf ein Gourmetfest fahren. "Und dann war auf einmal mittags eine einzelne Person gemeldet. Da dachte ich mir: Oh, Mist. Und ich habe das Gourmetfest abgesagt."

Julia wusste natürlich nicht, wer genau da Platz genommen hat. Aber sie hatte so ein Gefühl... Die Michelin-Tester kommen immer unangemeldet. Sie reservieren auch unter einem falschen Namen. Merkwürdig war: Der einzelne Gast wollte nach dem Essen nicht mit Julia sprechen.

"Ich war total enttäuscht und bin zum Chef gegangen und hab gesagt: Ich denke, das ist eine Testerin. Aber sie hat nichts gesagt.“
Julia Komp, Sterneköchin

Kurz vor dem Gehen outete sich die Dame doch noch als Testesserin. Doch ihr Urteil erfuhr Julia nicht. Wer einen Stern bekommt, das erfahren die Köche und Köchinnen immer erst auf der Michelin-Gala gegen Ende des Jahres. Eine lange Wartezeit für Julia: "Natürlich habe ich mir das gewünscht und hab alles dafür gegeben. Aber bis zur letzten Sekunde hätte es auch schief gehen können."

Mittags knallen die Korken

"Dann war die Freude, dass es geklappt hat umso größer. Und dann haben wir schon mittags hier die Korken knallen lassen."
Julia Komp, Sterneköchin

Dass es nur so wenige Sterneköchinnen gibt, liegt wahrscheinlich daran, meint Julia, dass sich viele Frauen während ihrer Karriere für Kinder und Familie entscheiden. Für Julia steht momentan aber die Karriere an erster Stelle. Sie liebt das Kochen. Darauf zu verzichten, wäre für sie momentan keine Option.

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