Zugpersonal

DB-Zugbegleiter: "Es ist so viel, was zurzeit schief läuft"

Lukas ist Zugbegleiter und kennt die Situation, wenn Züge zu spät kommen und er für alles seinen Kopf hinhalten muss, was andere verbockt haben.

Es ist sehr einfach, über die Bahn zu meckern und sich aufzuregen: Viele Verspätungen, technische Mängel und am Montag – mitten im Berufsverkehr – auch noch der Warnstreik. Und wo lassen wir unseren Ärger aus? Oft bei den Zugbegleitern. Lukas ist einer von ihnen.

Lukas (Name geändert) schätzt an seinem Job, dass er viel herumkommt, dass er ständig mit neuen Kollegen zusammenarbeiten kann und auch, dass er immer wieder Neues erlebt. Stressig wird sein Job aber spätestens ab dem Moment, wenn der Zug eine 20-minütige Verspätung hat.

Ab diesem Zeitpunkt wird die Zugbindung bei Fahrscheinen aufgehoben. Das bedeutet, dass zum Beispiel viel mehr Menschen als geplant in einen Zug einsteigen.

Auch Zugbegleiter können nicht alle Entscheidungen nachvollziehen

Häufig bekommen Lukas und seine Kollegen den Ärger ab, wenn Anschlusszüge um nur wenige Minuten verpasst werden, weil die Züge nicht warten konnten. Lukas sagt, er könne nur darum bitten, dass ein Zug wartet. Die Entscheidungshoheit liegt bei der Verkehrsleitung.

Lukas findet, dass im Moment vieles nicht gut läuft. Er weiß, was die Ansage "Der Zug fährt heute mit geänderter Wagenreihung" für eine alleinreisende Frau mit Kinderwagen und Kleinkindern bedeuten kann. Die muss dann nämlich – im Fall einer Verspätung – möglicherweise den kompletten Bahnsteig entlang rennen, um den Anschlusszug noch zu bekommen.

"Es ist so viel, was momentan schiefläuft. Und wir baden das jeden Tag aus und versuchen das Beste draus zu machen."
Lukas, Zugbegleiter

Lukas kann verstehen, dass das Zugpersonal streikt: "Ich unterstütze das. Es ist so viel, was momentan schiefläuft. Dass dann vom Arbeitgeber nicht mal der nötige Respekt zurückkommt, sei es in Form von Geld oder mehr Urlaubstagen, da kann ich schon verstehen, dass Kollegen gestreikt haben."

Bedauernswert findet Lukas zudem, dass die Wagenmeister vor einigen Monaten abgeschafft wurden: "Wenn jetzt was am Zug kaputt ist, muss der Zugchef selbst ran. Dann stehen wir in Fulda am Rangierbahnhof, anstatt dass Wagenmeister da sind, die während der Fahrt danach gucken."

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