In drei Jahrzehnten könnte es schon soweit sein: Wenn wir im Krankenhaus, Alten- oder Pflegeheim ankommen, empfängt und versorgt uns ein Pflegeroboter. Eine ernst zu nehmende Vision, vorgetragen von Karsten Schwarz und Andreas Keibel.

Bisher geht man davon aus, dass Pflegekräfte durch Roboter ihre Arbeit nicht verlieren. Die Maschinen sollen die Mitarbeiter im Gesundheitssystem in erster Linie entlasten. Diese Pflegeroboter könnten beispielsweise logistische Aufgaben übernehmen, wie die Medikamentengabe oder den Transport von Speisen.

Patienten heben, hinlegen oder wenden, das scheitert derzeit noch an dem für Roboter hohen Gewicht der Menschen. Auch das Waschen im Intimbereich sei viel zu komplex und bliebe vorerst noch menschlichen Helfern vorbehalten – so der Tenor auf einem wissenschaftlichen Kolloquium zu diesen Fragen in Berlin.

Pflegeroboter sollen nicht nur helfen, sondern auch motivieren

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent steigen – rund 3,4 Millionen Menschen werden dann auf fremde Hilfe angewiesen sein. Zur selben Zeit fehlen jedoch schätzungsweise eine halbe Million Pflegekräfte – sofern die aktuellen politischen Anstrengungen keine Wirkung zeigen. Erschwerend entwickelt sich die demografische Situation. Immer weniger junge Menschen stehen als Altenpfleger zu Verfügung.

"Wenn man sich die demografische Entwicklung anschaut, dann steuern wir auf eine Katastrophe zu."
Andreas Keibel, Development Manager der Kuka AG

Andererseits ist der Nutzen von Robotern in der Pflege bereits festgestellt. Kommuniziert etwa ein Demenzkranker mit einem künstlichen Wesen, hat dies nach wissenschaftlicher Erkenntnis einen eindeutig positiven Effekt auf die Psyche des Menschen.

"Es dient dazu, dass die Pflegekraft eine Brücke zum Patienten herstellt und anders Beziehungsarbeit mit ihm leisten kann."
Karsten Schwarz, Wirtschaftsinformatiker

Bisher gibt es solche Roboter nur als Prototypen. Wie lange es noch dauert, bis sie ihre Marktreife erlangen, vermögen selbst Insider nicht genau vorherzusagen.

Ein gravierendes Problem dabei – so ein Experte im Gespräch mit Deutschlandfunk Nova – sei die Tatsache, dass das deutsche Gesundheitssystem kein Budget für Innovationen habe. Dies allein verlangsame die Entwicklung enorm.

Der Vortrag

Zum 23. Berliner Kolloquium "Pflegeroboter – Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind?” waren Wissenschaftler der Fachbereiche Informatik, Robotik, Medizin, Pflegewissenschaft, Sozialpsychologie und Philosophie eingeladen. Sie befassten sich sowohl mit ethischen als auch technischen Fragestellungen zu diesem Thema. Veranstalter am 22. Mai 2019 war die Daimler und Benz Stiftung in Berlin.

Karsten Schwarz forscht am Universitätsklinikum Halle an der Saale in dem Projekt "Format", das mit knapp einer Million Euro noch bis Ende 2022 öffentlich gefördert wird. Im Mittelpunkt dabei steht, die Autonomie älterer Menschen möglichst umfassend zu gewährleisten und dabei assistierende Systeme in den Fokus der Forschung zu nehmen.

Andreas Keibel ist Business Development Manager der "Kuka AG" in Augsburg. Pro Jahr baut das Unternehmen schon jetzt um die 40.000 Roboter für die verschiedensten Einsatzfelder. Andreas Keibel referierte über "Robotik - Transformation in der Pflege".