Beruflicher Aufstieg ist Studierenden nicht mehr so wichtig wie früher - dafür hat die Familie besonders hohen Stellenwert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat Studierende befragt und stellt einen Wertewandel fest, der durch die wirtschaftlich gute Situation in Deutschland begünstigt wird. 

Gibt es einen Wertewandel unter Studierenden? Wenn man die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young fragt, ja! Seit 2014 führen sie alle zwei Jahre eine umfassende Befragung in deutschen Universitätsstädten unter 2000 Studierenden durch - Ergebnis in diesem Jahr: Der berufliche Aufstieg und die Karriere verlieren an Stellenwert, die Familie hingegen wird wichtiger. 

Gute wirtschaftliche Bedingungen schaffen Sicherheit

Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme, aber sie ist erklärbar. In ihrer Analyse kommen die Wirtschaftsprüfer zu dem Schluss, dass "Studenten, die derzeit auf den Arbeitsmarkt gelangen, auf denkbar beste Bedingungen treffen, was ihnen Sicherheit verschafft, wodurch sie sich mehr auf ihre persönlichen Interessen und Ziele konzentrieren können".     

"Die Wirtschaft brummt, die Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften und die gesellschaftlichen Bemühungen um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeigen Erfolge."
Oliver Simon, Leiter der Personalabteilung von Ernst & Young in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Laut Befragung hat der berufliche Aufstieg unter Studierenden nur noch für 41 Prozent eine sehr hohe Bedeutung. Vor zwei Jahren war die Karriere noch 57 Prozent wichtig. Da gebe es laut Ernst & Young einen entspannteren Blick, der mit der wirtschaftlich positiven Entwicklung in Deutschland zusammenhänge. 92 Prozent gehen davon aus, dass sie nach dem Studium schnell einen Job finden. 

Fokus liegt eher auf Familie

Offenbar liegt der Fokus der Studierenden statt auf Karriere eher auf Familie, denn für 70 Prozent hat die Familie eine sehr hohe Bedeutung, für 66 Prozent die Freunde und für 50 Prozent die Freizeit. 

Das deckt sich im Übrigen mit den Aussagen unter Studierenden, die wir für Deutschlandfunk Nova an der Universität zu Köln dazu befragt haben, was ihnen wichtig ist.   

"Ich finde Familie, Gesundheit und Glücklichsein im Leben wichtiger als nachher einen dicken Porsche vor der Tür stehen zu haben."
Marie, VWL-STudentin mit Schwerpunkt Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln

Weitere Ergebnisse der Befragung unter Studierenden sind folgende: 

Zufriedenheit: 

  • 88 Prozent sind mit ihrer aktuellen persönlichen Situation zufrieden. Das ist ein Anstieg. Vor zwei Jahren waren 86 Prozent zufrieden, vor vier Jahren 80 Prozent.

Studienfachwahl:

  • Viele Studierende wählen nach Interesse und nicht nach Jobchancen aus: Für 63 Prozent ist persönliches Interesse das zentrale Motiv bei der Studienfachwahl, gute Berufsaussichten nur für 49 Prozent - 2016 waren es noch 59 Prozent.

Geschlechterunterschiede:

  • Beruflicher Erfolg ist Männern nicht mehr so wichtig, mit 63 Prozent ist der Anteil bei Männern und Frauen inzwischen gleich. Auch beim Themenfeld "Privates" gleichen sich Männer und Frauen an: 62 Prozent der Männer sind Familie und Freunde wichtig, bei Frauen bekommt Familie mit 77 Prozent die höchste Bedeutung, gefolgt von Freunden mit 70 Prozent.

Einstiegsgehalt: 

  • Bei Geld geben sich die Männer selbstbewusster: Sie rechnen mit einem Einstiegsgehalt von 39.300 Euro, die Frauen gehen von 36.500 Euro Bruttojahresgehalt aus. 

Arbeitgeber: 

  • Der öffentliche Dienst gewinnt an Attraktivität: 41 Prozent finden den Öffentlichen Dienst sehr attraktiv, deutlich mehr als vor zwei Jahren. Stark verloren hat hingegen die Autoindustrie, für die sich nur acht Prozent der Befragten interessieren.


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