Wenn die Gelegenheiten selten und die Konsequenzen bei Versagen ernst sind, haben Sportler und Studenten den meisten Druck - und teilweise richtige Angst. Spezielles Mentaltraining kann helfen.

Wie immer, wenn Moderator Sebastian Sonntag ein Blind Date hat - einen Interviewpartner, von dem er nichts weiß -, hört er ein von der Redaktion vorbereitetes Geräusch. Diesmal: Laufen auf Luftpolsterfolie. Und: Zerplatzen einiger Luftkammern.

Das Geräusch gehört zur schwierigen Kategorie, denn es ist im Prinzip unmöglich, ohne Vorwissen Rückschlüsse auf den Gast zu ziehen. Denn Michael Draksal ist Mentaltraining für Sportler und prüfungsgestresste Studenten. Und die Luftpolsterfolie gehört zu seinen Trainingsutensilien. Darauf zu laufen, ohne die Luftkammern zum Platzen zu bringen, schult die Körperwahrnehmung und die Konzentration.

Mentaltrainer Michael Draksal mit einem Kunden, der auf Luftpolsterfolie läuft
© Michael Draksal

Michael nutzt diese Methode unter anderem, um als Trainer etwas über den Sportler oder Prüfungskandidaten zu erfahren: Wie geht er mit dem Druck um? Was sagt er zu sich? Wie gut kann er in sich hineinfühlen, seinen Stressgrad wahrnehmen? "Das ist ein super Einstieg in eine Mentaltrainings-Session", sagt Michael.

Ursache dafür, dass Michael überhaupt Kunden hat, ist das "verdammte Katastrophendenken", sagt er. Das geht bis hin zu einer Blockade, wo gar nichts mehr geht. Also: Sportler können nichts vom Trainierten abrufen, Studenten und Schüler können in der Klausur nichts mehr aufs Papier bringen. Bis zu elf Prozent aller Personen haben Wettkampf- und Prüfungsangst, sagt Michael.

"Mentaltraining ist keine Therapie. Es ist Training."
Michael Draksal

Das Lernen, Trainieren und Vorbereiten kann Michael niemandem abnehmen - aber er könne dafür sorgen, mehr davon in der Prüfungssituation abzurufen. Zum Beispiel hilft positive Stimmung.

Und so erarbeitet er zusammen mit den Klienten eine Methode, kurz vor dem Wettbewerb und vor der Prüfung in eine gute Stimmung zu kommen. Rituale können da helfen, zum Beispiel immer dasselbe Lied hören. Manchen Menschen hilft auch Sarkasmus und Humor - "denn Lachen und Angst passen nicht zusammen". Für andere wiederum sind bestimmte Düfte hilfreich.

Was tun bei Panik während der Prüfung?

Ist die Vorbereitung abgeschlossen und die Prüfungssituation da, können manche immer noch oder erst recht von Angst, Panik und Nervosität gehemmt sein. Aber auch hier gibt es Methoden, die helfen können und die sich vor der Prüfung trainieren lassen. Michael: "Man kann sich auf den schlimmsten Fall vorbereiten, zum Beispiel, dass man die Frage nicht versteht." Methoden können sein:

  • Bei einer schriftlichen Prüfung erstmal die anderen Fragen beantworten
  • Bei einer mündlichen Prüfung um eine Ersatzfrage bitten
  • Den Ort wechseln: Ein paar Schritte zur Seite oder kurz aufs Klo gehen
  • Wenn gar nichts mehr geht: würdevoll abtreten und nach Feedback fragen

Zu Michaels Kunden gehören Studenten, Schüler, Auszubildende und Sportler. Bei allen gilt: Der Druck ist dann besonders groß, wenn man nur einen Versuch hat und die Konsequenzen des Versagens besonders groß sind. Kinder hätten das viel weniger, sagt Michael: "Die fragen nach dem Wettbewerb erstmal: Haben wir eigentlich gewonnen?"

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