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In den Niederlanden wohnen jetzt erstmals in Europa Menschen in einem gedruckten Haus. Nur wenig Ecken hat es und viele Schichten. Die Drucktechnik könnte das Bauen verändern.

Das erstes Einfamilienhaus Europas aus dem 3D-Drucker ist fertig. Es steht in Eindhoven, die Mieter – ein Paar aus den Niederlanden – sind bereits eingezogen. Ihre Miete liegt bei 800 Euro für 94 Quadratmeter.

Der eigentliche Druck des Hauses kann in 120 Stunden erledigt sein. In fünf Tagen also steht der Rohbau, was je nach Vergleich schnell oder langsam ist. Ein aus Einzelsteinen gemauerter Rohbau dauert in der Regel länger, zumal hier die Personalkosten hoch sind. Die Rohbau-Elemente eines auf Holz basierenden Fertighauses kann dagegen schon in ein bis zwei Tagen montiert sein.

"Ich denke, dass wir schon in fünf bis zehn Jahren günstiger bauen können als heute."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Häuser aus dem 3D-Drucker könnten den Häuserbau verändern, ist sich Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte sicher. Der 3D-Druck macht Häuser in ungewöhnlichen Formen und mit vielen Rundungen möglich. Design-Vorgaben durch eckige Grundformen des Materials, Betonplatten und Steine beispielsweise, fallen weg.

"So einen 3D-Haus-Druck-Roboter kannst du dir vereinfacht vorstellen wie einen überdimensionierten Sahnespritzbeutel, der mit Software gesteuert wird."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Betonspritze, der Druckkopf, hängt an einer Art Roboterarm. Dieser ist mit dem Steuercomputer des 3D-Druckers verbunden und hält sich an den vorgegeben Plan des künftigen Hauses. Der Druck beginnt dann damit, dass der Roboter in einer ersten Schicht die Wände des Grundrisses ausdruckt.

Schichthaus statt Plattenbau

Türen, Fenster, Steckdosen, Platz für Leitungen: Alles, was ausgespart werden muss, wird auch weggelassen.

In Deutschland entsteht in Beckum in Nordrhein-Westfalen ein zweistöckigen Wohnhaus in dieser Technik. Es soll noch 2021 fertiggestellt werden.

"So eine Beton-Schicht ist circa fünf bis zehn Zentimeter dick. So kann man Schicht um Schicht alle Wände des Hauses in einem Stück hochziehen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Weitere Bauprojekte mit vergleichbarer Technik wurden bereits fertiggestellt. Als erstes 3D-gedrucktes Gebäude in Europa gilt ein kleines Bürogebäude in Dänemark aus dem Jahr 2017. In China wird bereits seit 2014 mit dem Hausbau aus dem 3D-Drucker experimentiert.

Italienische Erde als Druckmaterial

Das spannendste 3D-Druckprojekt im Immobilienbereich ist für Martina allerdings das Projekt Tecla im italienischen Massa Lombarda. Das Haus besteht aus 350 übereinander gespritzten Erdschichten, das Material kommt aus der unmittelbaren Umgebung. Nur das Fundament ist aus Beton.

"Die Häuser sehen aus wie kugelförmige Iglus, haben wie bei einer Yurte ein großes rundes Fenster im Dach und sie werden vor allem aus einfacher Erde gedruckt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin