Unter anderem Deutschland diskutiert gerade darüber, ob zum 5G-Ausbau die Technik des chinesischen Anbieters Huawei eingesetzt werden soll. Befürchtet wird Überwachung. Constanze Kurz vom Chaos Computer Club fordert Skepsis gegenüber allen Anbietern. 

Wollen wir den neuen Mobilfunkstandard 5G? Ja! Schnell? Ja! Aber zu welchem Preis? Der chinesische Anbieter Huawei unterbietet, was die Kosten angeht, zumindest alle anderen Mitbewerber. Trotzdem überlegt unter anderem Deutschland auf Huawei zu verzichten. Grund ist die Sorge, dass Huawei uns ausspionieren könnte. Geheimdienste werfen dem Unternehmen vor, Verbindungen zur chinesischen Regierung zu haben und vermuten in der Technologie Hintertüren für Spione, mit dem Ziel, an Staats- oder Firmengeheimnisse zu kommen. 

Hintertüren für Spionage aus China

Der Markt für die schnellen Netzwerke der Zukunft sei riesig, sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club. Das Unternehmen Huawei, das viele von uns ja nur als Handyhersteller kennen, sei da in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und global gesehen einer der ganz großen. 

Die Befürchtung, das Ausrüstung oder Handys von Huawei Hintertüren für Spionage enthalten, hat nicht nur Deutschland. In den USA ist Huawei von Regierungsgeschäften ausgeschlossen, Australien und Neuseeland wollen auf Huawei beim 5G-Ausbau ganz verzichten und in Europa erwägen das viele Länder, wie unter anderem Großbritannien, Frankreich, Polen oder Norwegen. Branchenexperten glauben aber, dass ein Ausschluss eines Anbieters wie Huawei dazu führen würde, dass der Markt kleiner werde und die Preise stiegen.

Snowden-Dokumente machten Spionage-Praktiken transparent

Dass sogenannte Bugdoors eingesetzt werden, also Sicherheitslücken, die absichtlich eingebaut werden, wissen die Regierungen. Spätestens seit der Veröffentlichung interner Dokumente durch Edward Snowden. Damals war der amerikanische Hersteller Cisco aufgeflogen. Daran erinnert sich auch Constanze Kurz.

"Zumindest ist bekannt, dass es Hintertüren in Cisco-Produkten gab, aber Cicso hat das nie eingeräumt."
Constanze Kurz, Chaos Computer Club

Solche Gerüchte gebe es über Huawei auch, sagt Contanze Kurz. Man könne davon ausgehen, dass auch hier Hintertüren oder Backdoors eingesetzt werden. Der Unterschied sei: Bei Cisco kann man es in den Snowden-Dokumenten nachlesen. Bei Huawei werde es im Wesentlichen behauptet, weil man es der chinesischen Führung schlicht zutraue.

Huawei will mit Transparenz Vertrauen zurückgewinnen

Huawei hat jetzt auf den Druck reagiert und mehr Transparenz bei Quellcodes angekündigt. Damit setzt das chinesische Unternehmen aber auch gleichzeitig andere Mitbewerber unter Druck. 

Constanze Kurz sagt, grundsätzlich halte sie viel von der Idee, mit Transparenz und Offenheit Vertrauen zurückzugewinnen. Man müsse aber auch sagen, dass die neuen Standards technisch sehr komplex sind und dass sich das jemand mit wirklich großer Expertise anschauen müsse. 

"Es geht nicht nur um die Software, sondern auch um Hardware. Da wird es noch schwieriger, eine Hintertür nachzuweisen. Das ist technisch ausgesprochen anspruchsvoll."
Constanze Kurz, Chaos Computer Club

Constanze Kurz glaubt, dass wir Europäer ganz gut beraten wären, beim 5G-Ausbau und auch generell weniger auf einen zentralen Anbieter zu setzen. Am Klügsten wäre es, sagt sie, mit mehreren Anbietern Geschäfte zu machen, und diese auch alle zu einer hohen Transparenz zu verpflichten. 

Es gehe immerhin um Milliardenmärkte. Politisch sei sicherlich die Spionage der USA eher geduldet als von China, so Constanze Kurz. Aber Vorsicht sollte man gegenüber allen Anbietern haben. Übrigens auch gegenüber den europäischen wie Nokia und Erikson.   

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