Gute Abiturnoten können wichtig sein für die berufliche Zukunft. Doch die zu bekommen, ist inzwischen viel zu leicht, sagt Heinz-Peter Meidinger. Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands warnt vor einer Inflation der guten Noten. Verena von Keitz hat sich die Abiturlandschaft mal genauer angeschaut.

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, sorgt sich um das Abitur. Man kann bei der Masse an Einserabiturienten die wirklich herausragenden Schüler gar nicht mehr erkennen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das müsse sich ändern. Aber gibt es wirklich mehr gute Noten als früher? 

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Die Abiturnoten werden jährlich von der Kultusministerkonferenz veröffentlicht. Tatsächlich sind die Abiturdurchschnittsnoten von 2006 bis 2016 immer besser geworden, sagt unsere Reporterin Verena von Keitz.

"Es gibt überall auch wirklich mehr Eins-Nuller-Abis außer in Baden Württemberg. Allerdings ist der Anteil der Eins-Nuller-Abis immer noch recht gering. Am niedrigsten in Niedersachsen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Ein Eins-Nuller-Abi schaffen insgesamt nur 0,9 Prozent der Schüler. Der Anteil der Eins-Nuller-Absolventen ist mit 2,9 Prozent in Thüringen am höchsten. Dass die Schüler von heute aber eine Eins für Leistungen bekommen, für die sie früher eine Zwei bekommen hätten, darüber gibt es bisher keine Untersuchungen, sagt Verena. 

Ist unser System zu sehr auf Noten fixiert?

Dennnoch fordert Heinz-Peter Meidinger, das Abi müsste schwerer werden, damit diese Eins-Nuller-Inflation aufhört. Allerdings "könnte man argumentieren, dass in Teilen Deutschlands diese Inflation schon gestoppt ist", sagt Verena. Im Vergleich zu 2015 sei der Anteil von Eins-Nuller-Abis nämlich wieder gesunken. Nur die Abiprüfungen schwerer zu machen, würde auch kaum helfen: "Die Abiturnote setzt sich ja nicht nur aus den Noten der Abiprüfungen zusammen, sondern da fließen ja Noten der letzten zwei Schuljahre mit ein." 

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Bei der der Vergabe von Studienplätzen mit dem Numerus Clausus schauen die Hochschulen häufig nur nach den Endnoten. Da einige Bundesländer häufiger gute Abiturnoten vergeben als andere, fordern manche Bildungsexperten, eine Art Ranking einzuführen und die Herkunft der Note auf dem Zeugnis hervorzuheben, sagt Verena.

"Andererseits gibt es aber auch viele Experten, die davon nichts halten und die kritisieren, dass unser System sich zu sehr auf Noten fixiert, um die Leistung von Schülern zu bewerten."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Es ist fraglich, ob Noten das ganze Leistungsspektrum eines Schülers abbilden können, sagt Verena. Und garantiert eine exzellente Abinote allein, ob jemand auch ein guter Arzt wird? "Das Bundesverfassungsgericht hat ja gerade im Dezember geurteilt, dass der Numerus clausus bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen in Teilen verfassungswidrig ist", sagt Verena. Das müsse in den nächsten Monaten überarbeitet werden. Wahrscheinlich werde die Abiturnote bei der Vergabe zukünftig eine geringere Rolle spielen. 

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