Nach der neuen Pflegereform sollen Kinderlose mehr Beitrag zahlen als Eltern. Viele waren darüber empört. Eltern konterten, dass sie dafür in die zukünftigen Beitragszahlenden viel investieren.

Die Verärgerung der Kinderlosen über die neue Pflegereform war groß: Manche nannten es eine "Strafe" dafür, dass sie keine Kinder haben wollen oder bekommen können, andere betitelten es als "Diskriminierung pur".

0,1 Prozent pro Monat - das sind umgerechnet drei Euro - sollen Kinderlose in Zukunft mehr zahlen. Viele Eltern waren dagegen zufrieden, denn sie investierten auch sehr viel Geld in ihre Kinder, die in der Zukunft die Rente und Pflege aller Bürgerinnen und Bürger tragen würden. Das ist auch der Hintergrund dieser Änderung - das Bundesverfassungsgericht hat 2001 dem Gesetzgeber aufgetragen, die Pflegeversicherung neu zu regeln und dabei Eltern zu entlasten.

In der Tat kosten Kinder ihre Eltern "eine ganze Menge Geld", sagt Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer. Zahlen vom Statistischen Bundesamt über das Jahr 2013 zeigen, dass Eltern bis zum 18. Lebensjahr knapp 150.000 Euro pro Kind ausgeben.

Je älter, desto teurer

Die Zahlen zeigen auch: Je älter die Kinder werden, desto teurer werden sie für ihre Eltern. Kinder unter sechs Jahren kosten durchschnittlich 7000 Euro, Kinder bis zu zwölf Jahren 8000 Euro und ab dem Teenager-Alter gut 9000 Euro pro Jahr.

"Mit Kindern zahlt man einfach bei allem mehr, egal ob im Zoo oder im Urlaub."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Und auch nach dem 18. Lebensjahr ist es meistens noch nicht mit der finanziellen Unterstützung vorbei, denn viele Eltern helfen ihren Kindern bei der Finanzierung einer Ausbildung oder eines Studiums. Ein Bachelorstudium kann Eltern laut der Verbraucherzentrale Bundesverband im Schnitt nochmals 35.000 Euro Unterhalt kosten.

Unbezahlte 40-Stunden-Woche als Hausfrau oder -mann

Hinzu kommt, dass bei Familien mit Kindern meistens mindestens ein Elternteil in Teilzeit geht nach der Geburt. Eltern haben also nicht nur mehr Ausgaben, sondern auch geringere Einnahmen. Die Arbeit verlagert sich dann oft in den Haushalt oder die Kinderbetreuung.

Zahlen vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung von 2016 zeigen, dass Mütter von zwei Kindern, von denen eines noch nicht schulpflichtig ist, pro Woche circa 23 Stunden im Haushalt und 17 Stunden mit Kinderbetreuung verbringen. Inklusive eines Teilzeitjobs macht das eine 61-Stunden-Woche.

Zudem deutet die Studie an, dass Väter im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung mit deutlich weniger Stunden pro Woche beteiligt sind. Wie viel weniger genau, geht aus den Zahlen nicht hervor.

Kleinere Gehaltssprünge durch Karriereknick

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2020 zeigt: Frauen mit Kind verdienen über ihr ganzes Erwerbsleben hinweg durchschnittlich 40 Prozent weniger als Frauen ohne Kind. Frauen mit drei oder mehr Kindern verdienen sogar bis zu 70 Prozent weniger.

Hier zeigen sich also die finanziellen Folgen, wenn eine Frau nach der Geburt nur noch als Teilzeitkraft in den Job zurückkehrt.

"Frauen mit einem Kind verdienen über ihr ganzes Erwerbsleben hinweg im Schnitt rund 40 Prozent weniger als Frauen ohne Kind."
Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer zu Zahlen einer Studie der Bertelsmann Stiftung

Hinzu kommt, dass Karrieresprünge für Teilzeitkräfte deutlich schwieriger zu erreichen sind als für Vollzeitarbeitende. Frauen haben demnach nach der Geburt auch weniger Chancen auf deutliche Gehaltserhöhungen, sagt Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer.

Finanzielle Unterstützung für Eltern

Ganz alleine werden Familien mit den Mehrkosten aber nicht gelassen. Das beginnt bereits ab der Geburt, wo Paare für die Zeit, in der sie nicht arbeiteten, bis zu 14 Monate Elterngeld bekommen – das sind mindestens 300 und maximal 1800 Euro pro Monat und Person. Zudem erhalten Eltern ab der Geburt bis zum 18. Lebensjahr des Kindes ein Kindergeld. Das liegt bei den ersten beiden Kindern bei circa 2600 Euro pro Jahr pro Kind.

Als Alternative können Eltern auch auf das Kindergeld verzichten und stattdessen steuerliche Freibeträge beantragen. Diese Option lohnt sich vor allem für Eltern mit einem vergleichsweise hohen Einkommen. Bis zu 8000 Euro des Jahresgehalts dürfen Eltern pro Kind dann steuerfrei behalten. Eltern mit geringem Einkommen können dagegen verschiedenen Zuschläge für beispielsweise Bildung oder Wohnen beantragen.

Mehr Rente durch Anrechnung von Kindererziehungszeiten

Außerdem können sich Eltern bei der gesetzlichen Rentenversicherung Kindererziehungszeiten anrechnen lassen. Bei Kindern, die nach 1992 geboren wurden, sind das derzeit bis zu drei Jahre. Den Eltern wird dann für die Zeit, die sie hauptsächlich mit Kindererziehung verbracht haben, Rentenpunkte gutgeschrieben. Bis zu 90 Euro mehr Rente pro Monat können dabei rausspringen.