Nach dem Pinkeln einfach abspülen und schon ist alles sauber. Denken viele – stimmt aber nicht: Forschende aus China haben herausgefunden, dass beim Abspülen Aerosole aufwirbeln – bis zu 80 Zentimeter hoch. Sie raten sogar dazu, auf Herrentoiletten eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Hygiene ist beim Pinkeln das A und O – gerade in Coronazeiten. Und gerade Benutzer von geteilten Herrentoiletten sollten sich ihre Hände besonders gut waschen.

Denn: Beim Abspülen am Urinal können Aerosole innerhalb von wenigen Sekunden rund 80 Zentimeter hoch aufsteigen. Zu dem Ergebnis kommen chinesische Forschende der Yangzhou University in ihrer Studie. Mehr als die Hälfte der beim Abspülen aufgewirbelten Tröpfchen soll demnach über den Urinalrand fliegen und sich anschließend in der Luft verteilen.

Aerosole am Oberschenkel und an den Händen

Grundlage für die Tests der Forschenden war das Modell eines Urinals, das in China häufig vorkommt. Das Urinal ist aus Keramik und relativ tief an der Wand befestigt. Das bedeutet: Die Aerosole steigen beim Spülen etwa auf die Höhe der Oberschenkel und Hände der Urinalbenutzer – danach verbreiten sie sich weiter in der Luft.

Maskenpflicht für öffentliche Toiletten

Ob die Aerosole auch bis zum Gesicht aufsteigen könnten, ist abhängig von der Höhe des Urinals. Dafür bräuchte es wiederum weitere Tests mit anderen Urinaltypen. Unabhängig davon empfehlen die Forschenden mit Nachdruck eine Maskenpflicht für öffentliche Toiletten wie zum Beispiel in Büros, Flughäfen oder Restaurants.

Ähnliche Erkenntnisse gab es zuletzt aus Studien mit Toiletten zum Hinsetzen – auch hier können Aerosole beim Spülen über 100 Zentimeter hoch fliegen. Vor dem Abspülen den Toilettendeckel zu schließen und anschließendes Händewaschen könne in diesem Fall aber vor einer Infektion schützen, so die Forschenden.

Wegtreten und Hände gründlich waschen

Für das Urinal gilt das Gleiche: Benutzer sollten beim Abspülen vom Urinal zurücktreten und danach ebenfalls gründlich ihre Hände waschen. Zusätzlich einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, hält Deutschlandfunk-Nova-Reporter Klaus Jansen auf öffentlichen Toiletten für sinnvoll.

"Die chinesischen Forscher sind zumindest so alarmiert, dass sie sagen: Auf öffentlichen Toiletten sollte eigentlich die Pflicht gelten, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Weil sich die Aerosole danach auch noch in der Raumluft verteilen können."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova

Allzu viele Sorgen vor dem nächsten Gang zum Klo brauchen Männer nicht haben, sagt Klaus. Er erklärt sich die Alarmbereitschaft der chinesischen Forschenden durch schlechte Erfahrungen mit dem Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-1 im Jahr 2003.

In Hongkong sorgte eine defekte Abwasserleitung in einem Hochhaus für ziemlich viele Coronainfektionen. Auslöser waren hier Aerosole aus Kot und Urin.

Urin als Übertragungsweg bisher nicht bewiesen

Was noch gar nicht abschließend bewiesen ist, ist, ob Urin-Aerosole das neuartige Coronavirus überhaupt übertragen können. Es gilt aber nicht als unwahrscheinlich, da Forschende in China auch Partikel von SARS-CoV-2 im Urin eines Mannes gefunden haben. "Das ist jetzt noch kein Beweis dafür, dass das ein Übertragungsweg ist. Aber es ist offenbar nicht unmöglich: Das Material soll auch noch infektiös gewesen sein", erklärt Klaus Jansen.