Wer spült und dabei den Deckel nicht schließt, setzt sich einer Menge Viren aus. Nicht alle davon sind schädlich für uns. Doch für öffentliche Räume gilt vor allem während der Corona-Pandemie: Deckel zu und Hände waschen.

Bis zu 106,5 Zentimeter hoch können Viren fliegen, wenn wir auf den Spühlknopf unserer Toilette drücken. Das haben chinesische Forschende mithilfe einer Computersimulation herausgefunden. Und nicht nur das: Die Tröpfchen bleiben auch danach noch eine Weile im Raum und verteilen sich. Das ist grundsätzlich erst mal kein Grund zur Panik, denn, dass wir über die Toilettenspülung Mikroorganismen im Bad verteilen, ist nicht neu, sagt Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal.

In Zeiten der Corona-Pandemie macht es jedoch Sinn, sich in Sachen Toilettenhygiene eine kleine Routine anzugewöhnen – vor allem im öffentlichen Raum.

Fäkalkeime auf Zahnbürsten

Bereits im Jahr 2015 haben amerikanische Forschende Fäkalkeime auf Zahnbürsten nachgewiesen, die offen im Badezimmer rumlagen. Das klingt sehr eklig, doch nicht alle der gefundenen Keime machen uns auch krank, sagt Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal. Viele der in den Toiletten gefundenen Infektionserreger sind meist Umwelt- und Wasserkeime, die keine große Infektionsgefahr darstellen.

"Wir finden, wenn wir Toiletten untersuchen, gar nicht so viele Infektionserreger, sondern eher Umweltkeime und Wasserkeime, die sich dann natürlich auch auf anderen Oberflächen finden, die aber keine wirklich große Infektionsgefahr darstellen."
Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal

Einige davon sind sogar ganz hilfreich: Sie fordern unser Immunsystem heraus und trainieren es. Doch wie sieht es mit dem neuartigen Coronavirus aus?

Anzahl der infektiösen Viren ist entscheidend

Laut des Robert-Koch-Instituts wurde das Virus im Kot von Covid-19-Patienten zwar identifiziert, für eine Ansteckung über den Stuhl müssten diese Viren jedoch vermehrungsfähig sein. Das hätten bisherige Studien nur selten gezeigt.

Es geht also nicht nur um die gesamte Anzahl der Viren im Stuhl, sondern um die Anzahl der infektiösen Viren, sagt auch Dirk Bockmühl.

"Die Frage, wie viele Viren im Stuhl sind, ist die eine, aber die andere ist natürlich viel wichtiger: Wie viele infektiöse Viren sind da? Und da scheint es im Moment eher so auszusehen, dass es jetzt nicht so wahnsinnig viele sind."
Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal

Dennoch rät Dirk Bockmühl, die Gefahr einer Ansteckung durch die Toilettenbenutzung nicht zu unterschätzen.

Hygiene ist das A und O

Vor allem im öffentlichen Raum sollte man darauf achten, dass es "möglichst belüftete Räume sind und, dass die Frequenz der Besucher einfach nicht zu hoch ist", rät die Bremer Ärztin Judith Gal in einem Video des Tagesschau.

Desinfizieren, schließen, Hände waschen

Die chinesischen Forschenden haben deshalb die wichtigsten Hygienemaßnahmen in einem Drei-Punkte-Plan zusammengefasst:

  1. Vor dem Gebrauch der Toilette den Sitz reinigen, da sich möglicherweise Viruspartikel auf der Oberfläche abgesetzt haben.
  2. Vor dem Spülen den Toilettendeckel runterklappen.
  3. Nach dem Spülen die Hände sorgfältig waschen, da sich Virenpartikel auch auf dem Spühlknopf oder dem Türgriff befinden könnten.

Eine Anleitung, die unabhängig von Covid-19 befolgt werden sollte, sagt Dirk Bockmühl. Vor allem im Winter, wenn die Noro-Infektionen in Deutschland wieder steigen. Denn diese können sich in der Tat durch den Stuhl von Erkrankten oder durch direkten Kontakt mit Aerosolen übertragen werden.