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Weinende Kinder am Flughafen in Kabul, geschockte Menschen im Ahrtal – das sind die Bilder, von denen wir in diesen Tag manchmal sogar träumen. Was wir tun können, um schlechte Träume zu vertreiben.

Es ist ein Phänomen, das so manchem schon in der Corona-Pandemie begegnet ist – oder in anderen fordernden Zeiten: In Ausnahmesituationen, die wir als Bedrohung empfinden, haben wir besonders seltsame Träume, manchmal sogar Albträume. Auch Nachrichten, die wir über die verschiedensten Medien konsumieren, können diese Albträume auslösen.

"Der belastende Charakter von Albträumen besteht im Gefühl des Ausgeliefertseins."
Christine Blume, Schlafforscherin, Zentrum für Chronobiologie, Universität Basel

Grundsätzlich will unser Gehirn uns damit helfen: Im Schlaf werden unsere Eindrücke sortiert. Gefühle, die wir schlafend erleben, sollen wie eine Übung wirken, damit wir später mit vermeintlich realen Situationen besser umgehen können. Allerdings erschweren uns Albträume in der Praxis oft das Leben – und sind vor allem die Antwort auf ein Gefühl der Bedrohung.

Träume, die uns Angst machen, bewusst durchgehen

Forschende im Bereich der Neurowissenschaften gehen davon aus, dass wir uns nach dem Aufwachen an gute Träume oft nicht mehr erinnern. Bei Albträumen wachen wir allerdings öfters auf, dadurch kann es sein, dass wir uns gerade hier besser erinnern. Zudem glauben Forschende, dass Stress die Länge unserer Traumphasen steigert.

Werden die Albträume zu häufig, rät die Schlafforscherin Christine Blume , ein Traumtagebuch zu führen, damit wir uns der Angst aus dem Traum stellen können.

"Wenn wir Träume haben, die uns Angst machen, dann ist es als erstes wichtig, sich dieser Angst nach dem Aufwachen zu stellen. Eine Empfehlung ist also zum Beispiel ein sogenanntes Traumtagebuch zu führen."
Christine Blume, Schlafforscherin, Zentrum für Chronobiologie, Universität Basel

Wer genau aufschreibt, was im Traum passiert ist, sollte sich in einem nächsten Schritt genau überlegen, wie die Situation in diesem Traum am besten gelöst werden könnte – und das durch aktives Handeln, sagt Christine Blume: "Wenn ich zum Beispiel träume, ich werde angegriffen und verfolgt, dann wäre eine Möglichkeit, eben nicht davon zu laufen, sondern die Person anzusprechen und zu fragen: 'Hey, was machst Du da eigentlich?'"

Durch dieses gedankliche Training soll das Traumgeschehen langfristig beeinflusst werden.

Mit Entspannungsübungen gegen häufig auftretende Albträume

Egal ob Yoga, Sport, Meditation oder MBSR: Da Albträume oft auftreten, wenn wir uns in stressigen Lebensphasen befinden, rät Christine Blume auch zu Entspannungsübungen. Das beinhaltet auch, sich vor dem Schlafengehen etwas zu entspannen – also nicht die aktuelle Nachrichtenlage zu checken.

"Ab und zu schlecht zu träumen, ist völlig normal, das tun wir alle. Aber ich sollte mir professionelle Hilfe suchen, wenn die Albträume sehr regelmäßig auftreten, also mehrmals pro Woche und über einen gewissen Zeitraum hinweg."
Christine Blume, Schlafforscherin, Zentrum für Chronobiologie, Universität Basel

Wenn weder Traumtagebuch noch Entspannungsübungen helfen, und die Albträume regelmäßig wiederkehren, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Vor allem, wenn die Träume als sehr belastend wahrgenommen werden, sagt Christine Blume. Dann sei der Zeitpunkt erreicht, sich professionelle Hilfe zu holen.