Limo oder Bier aus Algen? Gibt es - zumindest an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik in Lübeck. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass sie mit Algen sogar Hungersnöte verhindern könnten. Und im medizinische Bereich eingesetzt, könnten Algen uns vor multiresistenten Keimen schützen.

Wer gerne Japanisch isst, hat Algen sicherlich schon mal probiert - als Algensalat oder Sushi-Häppchen - um Reis und Fisch herumgewickelt. Algen sind nachhaltig, günstig, leicht zu züchten. Und es gibt sie in großen Mengen. Außerdem sind Algen ein Superfood schlechthin: Die Alge enthält wichtige Vitamine wie das Vitamin B12, Proteine und Mineralstoffe. Trotzdem stehen Algen nur verhältnismäßig selten auf unserem Speiseplan. Das liegt auch daran, dass Algen und ihr Lebensraum Meer noch gar nicht richtig erforscht sind.

"Das Meer ist größtenteils unerforscht. Die wachsende Weltbevölkerung im Vergleich zur schrumpfenden Landmasse machen es notwendig, dass wir uns alternative Rohstoffquellen erschließen."
Robert Stieber, Biotechnologe

Robert Stieber, Biotechnologe aus der Arbeitsgruppe Lebensmitteltechnologie der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik in Lübeck, will das ändern. Algen könnten dem Wissenschaftler zufolge sogar eine Lösung für künftige Hungersnöte bieten und dabei helfen, die klimaschädlichen Folgen von Monokulturen und der Fleischproduktionen in den Griff zu bekommen.

Aus mikroskopisch kleinen Mikroalgen stellen Wissenschaftler mittlerweile schon Limonade her. Jetzt wollen die Forscher vom Fraunhofer EMB das auch mit größeren Algen probieren - mit sogenannten Makroalgen, die wir vom Strandspaziergang kennen. Bislang sind diese Versuche europaweit einzigartig.

In den Gefrierschränken des Labors lagern die Algen in großen Plastiktüten. Zusammen mit Malz und Milchsäurebakterien entsteht daraus die Limonade. Algen, Hopfen und Malz ergeben wiederum ein Biermixgetränk. Das klingt erstmal einfach, damit das Getränk aber nicht wie Dosenchampignons schmeckt, müssen die Forscher immer weiter experimentieren. Beim Brauen bilden sich nämlich oft eigenartige, aber nicht unbedingt leckere Geschmacksrichtungen und Aromen.

"Je nach Zubereitungsart können die Algenmixgetränke schon mal nach Dosenchampignons oder gebratenem Speck schmecken."
Robert Stieber, Biotechnologe

Für die Makroalgen gibt es noch viele weitere Einsatzbereiche: von Kosmetik über Klamotten bis hin zu Konservierungsstoffen. In Lübeck experimentieren die Wissenschaftler mit algenbeschichteten Kathetern und andere Kanülen, die bei Operationen in den Körper von Patienten eingeführt werden. Die Algenbeschichtung soll vor Infektionen mit multiresistenten Krankenhauskeimen schützen. 

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