Der Mega-Konzern Amazon ist im Januar zum wertvollsten börsenorientierten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Kritiker des Konzerns wie der Autor Johannes Bröckers fordern, dass wir unsere Haltung zum Onlinehandel überdenken.

1995 gründete ein Informatiker namens Jeff Bezos die Onlinebuchhandlung Amazon.com. Inzwischen ist der Mega-Konzern mit mehr als 800 Milliarden US-Dollar Gesamtwert das weltweit wertvollste börsenorientierte Unternehmen.

Zwar macht der Dienst vielen von uns das Leben um einiges gemütlicher, und im Alltag kommen wir am Onlinehandel auch kaum noch vorbei. Aber gerade Amazon steht immer wieder in der Kritik. Die Vorwürfe: Der Konzern vermeidet Steuern, behandelt Mitarbeiter schlecht und späht Kundendaten aus. Diese und andere Kritikpunkte hat Johannes Bröckers in seinem Buch "Schnauze, Alexa! Ich kaufe nicht bei Amazon" gesammelt.

"Amazon ist für uns Kunden eigentlich nur ein Online-Kaufhaus. Aber es ist natürlich mittlerweile viel mehr."
Johannes Bröckers, Autor

Sein Geld verdient das Unternehmen nämlich über drei Wege:

  • das Online-Kaufangebot
  • den Marketplace, auf dem Händler ihre Waren anbieten können
  • den Webservices

Tatsächlich macht Amazon mittlerweile das meiste Geld mit der dritten Sparte, den Webservices. Der Konzern bietet zum Beispiel privaten Nutzern Cloud-Speicherplatz an. Viel wichtiger sind aber die großen Unternehmen, die Amazons Server nutzen und damit etwa ihre IP auslagern können.

Aber auch das Online-Kaufangebot hat sich ausgeweitet. Mit seinem Audio- und Video-Angebot etwa spielt der Konzern inzwischen auch in der Medienbranche eine wichtige Rolle. Die Amazon-Studios produzieren Filme und Serien, die renommierte Preise gewinnen.

Massive Datensammlung, schlechte Arbeitsbedingungen, Steuervermeidungen

Dabei ist die Plattform für ihre Nutzer nur bedingt von Vorteil, meint Johannes Bröckers: Für Händler auf dem digitalen Marktplatz bestehe zum Beispiel das Risiko, dass ihre Produkte, wenn sie gut laufen, von Amazon quasi kopiert und selbst angeboten werden. Der Konzern dränge auch bewusst Händler aus dem Marketplace oder kaufe ihr Geschäft auf. Gleichzeitig sei das Monopol des Marketplace so groß, dass Kleinhändler Amazon gar nicht mehr umgehen können.

"Eigentlich sehe ich diesen Marktplatz, den Amazon als Erfüllung aller Träume für jeden Händler anpreist, als ein für Amazon kostenloses Produktentwicklungs-Instrument an."
Johannes Bröckers, Autor

Auch für den Konsumenten gibt es laut Bröckers Nachteile, wie etwa die massive Kundendatensammlung, die den meisten nicht bewusst sei. Zudem vermeide Amazon ganz gezielt Steuerzahlungen, und die Arbeitsbedingungen im Konzern seien schlecht. Das alles würden wir ausblenden, wenn wir vor unserem Computer sitzen und ein Sonderangebot anklicken. Bröckers glaubt, dass mit den zahlreichen Angeboten beim Kunden auch eine Überforderung eintritt.

"Diese bequeme Art des Einkaufens – wir sitzen zu Hause und kriegen das geliefert – schaltet unser kritisches Bewusstsein aus."
Johannes Bröckers, Autor

Wenn Konzerne wie Amazon das weltweite Kaufverhalten immer mehr beherrschen, dann befürchtet der Autor, dass ein "totalitärer Überwachungskonsum" Wirklichkeit wird, bei dem im Netz auf Schritt und Tritt unsere individuellen Daten gesammelt werden. Deswegen sollten Konsumenten ihre Haltung zum Onlinehandel überdenken und ihr Bewusstsein schärfen, plädiert Bröckers.

"Wir müssen öfter darüber diskutieren, unter welchen Bedingungen uns Digitalisierung welche Services ermöglicht."
Johannes Bröckers, Autor

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