Es ist immer noch total kalt in Deutschland und die Grippe verbreitet sich nach wie vor. Wer würde jetzt gerade nicht gerne in den nächsten Flieger steigen und Richtung Sonne düsen? Dieser Plan kann allerdings nach hinten losgehen: Forscher von der Emory Universität in Atlanta haben erforscht, wie sich Infektionskrankheiten im Flugzeug verbreiten.

Das Ergebnis: Wenn wir neben jemandem sitzen, der eine Grippe hat, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei 80 Prozent, dass wir uns auch anstecken. Und sogar dann, wenn die ansteckende Person nicht direkt neben uns, sondern zwei Sitze entfernt sitzt, ist die Ansteckungsgefahr so hoch.

Stecken wir uns nicht an, haben wir entweder großes Glück gehabt, ein super Immunsystem oder genau in den richtigen Momenten den Kopf weggedreht. Die Ansteckung funktioniert über Tröpfchen, also durchs Husten oder Niesen.

Wer am Fenster sitzt, hat weniger Kontakte, das Ansteckungsrisiko sinkt

Die Forscher von der Uni Atlanta haben jetzt aber nicht jeden Passagier untersucht und Proben genommen, sondern sie sind etwas anders an die Sache herangegangen und haben Bewegungsprofile erstellt. Das Wissenschaftlerteam ist bei zehn Inlandsflügen in den USA mitgeflogen und hat ganz genau mitgeschrieben, wann die Passagiere aufstehen, wie viele Kontakte sie untereinander haben oder mit der Crew. 

Die Daten haben die Forscher dann zusammen mit Ansteckungsraten bei Infektionskrankheiten ausgewertet. Dabei kam heraus, dass diejenigen, die am Fenster sitzen, weniger aufstehen, also auch weniger Kontakte haben und sich dann auch nicht so schnell anstecken wie zum Beispiel die Personen, die am Gang sitzen.

"In Bahnen ist generell erst mal sehr viel mehr Verkehr. Leute steigen aus, Leute steigen ein."
Bernd Salzberger, Professor an der Uniklinik Regensburg

Auf Bus- und Bahnfahrten lassen sich die Ergebnisse allerdings nicht eins zu eins übertragen, erklärt Bernd Salzberger, Professor an der Uniklinik Regensburg: "Da gibt es zwei Gründe dagegen. In Bahnen ist generell erst mal sehr viel mehr Verkehr. Leute steigen aus, Leute steigen ein. Und was auch nicht vergleichbar ist, ist die Bearbeitung von Oberflächen." In Bussen uns Bahnen gibt es Haltegriffe, Stangen und Knöpfe, die sehr viele Menschen berühren. Im Flugzeug hat jeder Passagier seinen Platz, zwischen zwei Flügen wird die Kabine gereinigt - die Wahrscheinlichkeit ist geringer, dass da Viren vom Vorgänger haften bleiben.

Ein anderer Unterschied: Eine Straßenbahnfahrt dauert normalerweise nicht so lange wie ein Flug. Und je kürzer wir mit einer infizierten Person in Kontakt kommen, desto geringer ist auch das Risiko, dass wir uns anstecken. Aber auch die Entfernung spielt eben eine Rolle: Weniger als zwei Meter Abstand sind kritisch.

"Wenn Sie an einem Platz sitzen, wo sie wenig Publikumskontakt haben und das ist hinten rechts oder hinten links im Fernbus, das ist sicher besser als in der Mitte oder direkt an der Tür zu stehen."
Bernd Salzberger, Professor an der Uniklinik Regensburg

Die besten Tipps, wie wir uns vor einer Grippeinfektion schützen können:

  • Sitze wählen, auf denen wir wenig Kontakt zu anderen haben, zum Beispiel ganz hinten in der Ecke.
  • wenig rumlaufen
  • nicht so oft aufs Klo gehen
  • Eigentlich müssten hustende und niesende Menschen aufgefordert werden, einen Mundschutz zu tragen.
  • Und, wie wir bereits wissen, Händewaschen ist auch immer eine gute Idee.


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