Obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Belege gibt, warnen Verschwörungserzähler schon lange vor der angeblichen Gefahr durch 5G-Strahlung. Schutz davor bieten angeblich neutralisierende Accessoires. Vor genau diesen Armbändern und Ketten warnt jetzt die niederländische Strahlenschutzbehörde.

Manche der sogenannten Anti-5G-Halsketten, -Armbänder oder auch -Schlafmasken können zu einer echten Gefahr für die Träger werden, warnt die niederländische Behörde für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz (ANVS): Weil sie nämlich selbst ionisierende Strahlung abgeben und damit Zellen im menschlichen Körper schädigen können. Die Behörde rät von einer Nutzung dringend ab.

"Tragen Sie den Anti-5G-Schmuck nicht mehr, legen Sie ihn sicher weg und warten Sie auf die Rückgabeanweisungen."

Die ANVS hat keine Angaben darüber gemacht, wie stark die ionisierende Strahlung der Accessoires ist. Das Risiko ist aber offenbar eher gering.

Damit sie Schaden anrichten könnten, müsse man die Produkte über einen längeren Zeitraum hinweg tragen: Wer so ein Accessoire ein Jahr lang 24 Stunden am Tag trägt, so heißt es in der Warnung, könnte einer Strahlung ausgesetzt sein, die den Grenzwert für die Exposition der Haut überschreitet. Die Folge könnten zum Beispiel Hautrötungen sein. Eine plötzliche radioaktive Verseuchung ist nicht zu erwarten.

"Plötzlich radioaktiv verseucht ist man durch den Anti-5G-Schmuck nicht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Accessoires sind auch in Deutschland völlig problemlos zu beziehen, zumindest in Onlineshops, sagt Andreas Noll. Die meisten Produkte werben in ihren Infotexten aber nicht mit Anti-5G, sondern vor allem mit einer gesundheitsförderlichen Wirkungsweise.

Zum Beispiel: "Verbessert die Durchblutung, verbessert die Zelldurchlässigkeit, Ernährung und Entgiftung, verbessert Ausdauer und Kraft, lindert Schmerzen."

Daneben gibt es spezielles Zubehör, das tatsächlich gegen 5G wirken will. Es gibt sogar sogenannte Strahlenschutzaufkleber fürs Handy. Bei denen braucht man sich immerhin keine Sorgen vor möglichen gesundheitlichen Folgen zu machen – sie sind einfach nur wirkungslos und Geldmacherei, sagt Andreas Noll.

Die Angst vor 5G

Etwas Neues sorgt häufiger für Ängste und Sorgen als Altbekanntes, fasst Andreas Noll zusammen. 5G ist die neueste Frequenzstufe, es bedient ein höheres Frequenzspektrum als 4G. Und je höher die Frequenz, desto geringer die Reichweite, gilt in der Funktechnik. Daher sind für 5G mehr Antennen nötig. Das führt dazu, dass die Sendemasten näher an uns heranrücken – und das macht vielen Menschen Angst und kann zu "teils absurden Verschwörungserzählungen" führen, so unser Netzreporter.

"Zu Beginn der Pandemie gab es die Verschwörungserzählung, dass sich das Coronavirus über 5G verbreitet."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Zu Beginn der Pandemie gab es die Erzählung in Europa, dass sich das Coronavirus über 5G verbreitet. Daraufhin wurden dann in einem zeitlichen Zusammenhang auffällig viele Mobilfunkmasten in europäischen Ländern angezündet. Die Mobilfunkanbieter klären schon länger über die technischen Hintergründe von 5G auf.