Anna von Boetticher ist schon über hundert Meter tief ohne Sauerstoffflasche getaucht. Die Apnoetaucherin wäre früher gerne mal zum Mars geflogen. Weil das noch zu kompliziert ist, hat sie angefangen, die Tiefen des Meeres zu entdecken – und stellt seitdem neue Rekorde auf.

Ein erwachsener Mensch atmet durchschnittlich 14 bis 16 Mal pro Minute. Anna von Boetticher atmet manchmal nur ein Mal in sechs Minuten. Sie ist Apnoetaucherin, taucht also ohne Sauerstoffflasche.

Die längste Zeit, die Anna unter Wasser war, lag bei 6,12 Minuten – das war ohne jegliche Bewegung und im Trainingszustand. Der aktuelle Rekord im Luftanhalten bei den Männern liegt bei knapp zwölf Minuten (ohne zusätzliche Sauerstoffzufuhr).

"Der Körper lässt sich darauf trainieren, sehr effektiv Sauerstoff zu sparen."
Anne von Boetticher, Apnoetaucherin

Das erste Mal Tauchen war Anna mit 17 Jahren. Von da an ging es – zunächst mit Sauerstoffflasche – immer tiefer. Sie wird von den Extremen angezogen, sagt sie. Vor 15 Jahren wollte sie dann herausfinden, wie sich der Druck anfühlt, ohne Flasche zu tauchen. In England hat sie ihre Liebe zum Apnoetauchen entdeckt – und in ihrem ersten Jahr bei der Weltmeisterschaft direkt die deutschen Rekorde gebrochen.

Anna von Boetticher in Taucherkleidung
© Tobias Friedrich

Apnoetauchen: Leidenschaft auf Rekordniveau

Bei Wettkämpfen legt Anna vorher fest, wie tief sie tauchen möchte, erzählt sie. Dann wird ein Seil im Wasser heruntergelassen in der Länge, die sie angibt, zu tauchen. Am Ende des Seils ist eine Scheibe angebracht, an der die Taucher*innen zum Beweis etwas abreißen und wieder mit nach oben bringen.

"Ich mag es, mich unserer Welt auszusetzen, sie so richtig zu erleben und mich dem körperlich hinzugeben."
Anna von Boetticher, Apnoetaucherin

125 Meter tief ist Anna in der Disziplin "No Limit" schon getaucht. Beim Apnoetauchen ist es wichtig, immer eine*n Partner*in dabei zu haben – für die Sicherheit. Anna erklärt, dass Menschen beim Versuch, die Luft anzuhalten, sogar schon in der Badewanne oder im Schwimmbad gestorben wären, weil niemand aufgepasst hätte.

Anna von Boetticher taucht mit Hai
© Nuno Sá

Auch Anna ist schon ohnmächtig geworden. Das würde aber nicht in der Tiefe passieren, sondern meistens nah an der Wasseroberfläche. Der Druck des Wassers ist sehr tief im Meer höher, sodass die Atemluft komprimiert wird. Je näher Menschen wieder an die Oberfläche kommen, desto weniger Druck und Komprimierung existiert und desto mehr Sauerstoff wird wieder gebraucht, um die Zellen zu versorgen.

Der eigentliche Star ist die Unterwasserwelt

An Wettkämpfen nimmt Anna aktuell wegen der Corona-Pandemie nicht teil. Aber das Wichtigste beim Tauchen ist für sie sowieso nicht der Titel, sondern das Erkunden des Meeres. Jedes Mal erlebt sie etwas anderes unter Wasser. In der Tiefe, sagt sie, gibt es Licht und das Wasser ist zum Teil glasklar. Am Meeresboden kann sie manchmal ein Riff sehen oder mit Haien und Krokodilen tauchen.

"Ich will ungewöhnliche Orte entdecken, die man erst mal vielleicht nicht schön findet."
Anna von Boetticher, Apnoetaucherin

Für Anna scheint es keine Grenzen zu geben. Sie möchte Orte und Räume erkunden und ihr Neugierde stillen. Ihr Wissen über das Tauchen gibt sie inzwischen sogar beruflich weiter. Anna bildet Taucher der Marine, Polizei und Feuerwehr aus.

  • Moderator:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartnerin:  Anna von Boetticher, Apnoetaucherin