Rund 88 Mal pro Tag schauen wir laut einer Studie auf unser Smartphone. Wenn wir das während einer Pause auf der Arbeit tun, hat das aber nicht unbedingt den gewünschten Erholungseffekt.

Kurz mal die privaten Mails checken, ein lustiges Video anschauen, dass wir per Messenger zugeschickt bekommen haben, nach Klamotten im Online-Shop suchen oder ein kleines Quiz durchspielen. Pro Tag sind wir mehrere Stunden mit unserem Smartphone beschäftigt.

Wann wir am ehesten das Handy checken

Ein Team von Forschenden der Universität Nijmegen hat in einer Studie untersucht, wann wir am wahrscheinlichsten nach dem Smartphone greifen, wenn wir arbeiten. Dafür haben 80 Doktorandinnen und Doktoranden eine Art Protokoll geführt.

Sie haben pro Arbeitsstunde aufgeschrieben, wie müde oder gelangweilt sie sich fühlen. Eine App auf ihrem Smartphone hat parallel dazu aufgezeichnet, wie oft die Promovierenden ihr Smartphone aktiviert haben. Das Resultat: Je müde oder gelangweilter wir sind, desto eher checken wir das Handy.

Ob wir gelangweilt sind, hängt nicht nur davon ab, ob die Aufgabe, an der wir arbeiten, spannend oder monoton ist. Das ist eine Erkenntnis der Motivationsforschung, sagt die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler.

Ob die Arbeit uns langweilt, hängt mit den Alternativen zusammen

Viel wichtiger sei es, welche Alternativen wir haben. Das heißt, wenn die andere Option darin besteht, die Toilette zu putzen, finden wir die Arbeit, die wir zu diesem Zeitpunkt machen, wahrscheinlich interessanter, als wenn wir die Möglichkeit haben, stattdessen schwimmen zu gehen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler.

Das Smartphone bringt nicht unbedingt die gewünschte Entspannung

Die These, mit der das Forschungsteam die Studie begonnen hatte, war, dass kurze Pausen mit Smartphone uns etwas Entspannung bringen und die Motivation steigern kann.

Zumindest legen das eine Reihe von anderen Studien nahe, die herausgefunden haben, dass:

Dieses Phänomen nennen Forschende eine "Labour-versus-leisure"-Entscheidung, also die Entscheidung, ob ich arbeiten oder Spaß haben möchte.

In den 20 Minuten nach der Smartphone-Pause noch müder

In der Studie haben die niederländischen Forschenden allerdings festgestellt, dass die Doktorandinnen und Doktoranden nach einer Pause, in der sie das Smartphone genutzt haben, meist müder und gelangweilter waren als vorher.

Sie hatten zwei Thesen, um dieses Phänomen zu erklären: Zum einen sagten die Forschenden, dass das Multitasking, also der Wechsel zwischen Arbeit und Handy, anstrengend für das Gehirn sein könnte. Das heißt, dass es weniger ermüdet, sich beispielsweise nur auf die Arbeit zu konzentrieren.

Der zweite Erklärungsansatz war, dass die Pausen möglicherweise zu kurz gewesen sind. Einen positiven, also erfrischenden Effekt hatte eine andere Studie festgestellt, wenn die Pausen zwei Minuten lang waren. In der Studie des niederländischen Teams hatten Promovierende auch Smartphone-Pausen eingelegt, die kürzer als zwei Minuten gewesen sind.

Pause mit Smartphone: Gezielt etwas tun, was einem Freude macht

Einer der Hauptautoren der Studie empfiehlt daher, Pausen zu machen, die zwei Minuten lang sind. Die kann man dann gezielt dafür nutzen, etwas zu tun, was einem Spaß macht, beispielsweise kurz ein Handyspiel spielen.

Wenn wir das Handy nutzen, um zu prokrastinieren, und eigentlich dringend arbeiten müssten, rät dieser Forschende dazu, das Handy tatsächlich wegzulegen. Oft sind es die Benachrichtigungen, die uns daran erinnern, das Smartphone in die Hand zu nehmen. Da kann es schon mal helfen, den Klingelton stumm zu schalten oder das Handy auf Flugmodus zu stellen, damit es uns nicht durch Geräusche und Lichtsignale dazu animiert, wieder darauf zu schauen.