Baoquan Song ist Luftbildarchäologe und steigt regelmäßig in ein kleines Propellerflugzeug, um Überreste von alten Zivilisationen zu finden. Der heiße Sommer hilft ihm dabei, archäologische Überreste auszumachen. Allerdings war der Zeitraum, in dem er sich auf die Suche machen konnte relativ kurz - ebenfalls wegen der Hitze.

Luftbildarchäologen wie Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum suchen nach archäologischen Stätten. Im mitteleuropäischen Raum - also auch bei uns in Deutschland - sind sie oberirdisch mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen. Sie liegen größtenteils unter der Erde. Auf Feldern beeinflussen sie das Wachstum der Pflanzen - besonders gut zu beobachten bei Getreide. Aus der Luft kann Baoquan Song diese veränderten Strukturen beobachten.

"In der Regel fliege ich alleine. Gerade in Deutschland müssen wir effektiv arbeiten. Der Ein-Mann-Betrieb ist am effektivsten."
Baoquan Song​​, Luftbildarchäologe an der Ruhr-Universität Bochum

Baoquan Song fliegt meistens alleine in einer einmotorigen Cessna über das Land. Bei größeren Teams ist die Koordination und die Terminabsprache zu aufwendig für kurzfristige Erkundungsflüge. 

Als Luftbildarchäologe, der alleine arbeitet, muss Baoquan Song vier verschiedene Aufgaben übernehmen: er fliegt, navigiert, beobachtet und fotografiert. Um das zu können, hat er ein spezielles Training absolviert.

Die Arbeit in der Luft ist körperlich und geistig sehr anstregend, sagt der Luftbildarchäologe. Sie fordert ihm große Konzentration ab. "Diesen Aufwand kann man nicht bewältigen, wenn die Arbeit keinen Spaß macht," sagt er. 

"In der Luft übernehme ich die Aufgaben von vier Funktionen: Ich bin Pilot, Navigator, Archäologe und Fotograf."
Baoquan Song​​, Luftbildarchäologe an der Ruhr-Universität Bochum

Was die anhaltende Hitze in diesem Jahr angeht, ist der Luftbildarchäologe zwiegespalten: Durch die Hitze und die Trockenheit werden Unebenheiten im Boden deutlicher sichtbar. In diesem Jahr ist die Hitze aber einen Monat eher eingetreten als in den Jahren zuvor. Das hat dazu geführt, dass die Pflanzen früh reif waren, aber nicht ihre volle Größe erreicht haben. 

Hitze verändert Pflanzenwachstum

Nach dem Wintergetreide säen die Bauern Sommergetreide und später noch Mais oder Zuckerrüben. Die Hitze hat zu Ernteausfällen geführt. Das wiederum hatte Einfluss auf die Zyklen, in denen die Bauern ihre Felder bestellen. Das veränderte Wachstum der Pflanzen hat wiederum die Zeitspanne verkürzt, in der der Luftbildarchäologe Veränderungen des Untergrundes ausmachen konnte. 

Mit den Methoden der Luftbildarchäologie lassen sich vor allem Fundstätten aus der Jungsteinzeit von vor rund 7000 Jahren ausmachen. Das ist die Zeit, in denen der Mensch mit dem Ackerbau begonnen hat. 

"Bevor ich in den Flieger steige, weiß ich nie, was ich finden werde. Wenn man dann was findet, ist die Befriedigung dieser Neugier riesig groß und das macht so viel Spaß."
Baoquan Song​​, Luftbildarchäologe an der Ruhr-Universität Bochum

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