Viele Menschen ekeln sich vor Spinnen, viele geraten sogar in Panik, manche schlagen sie sofort tot. Ein Fehler: Denn viele Spinnenarten sind in Deutschland bedroht – und übernehmen wichtige Aufgaben in Haus und Natur.

Egal ob jung oder alt, viele Menschen hegen eine heftige Abneigung gegen die Achtbeiner. Wenn eine Spinne in den eigenen vier Wänden gesichtet wird, dann muss sie häufig sterben. Dabei wird vergessen, dass sie unverzichtbar für uns Menschen sind – und gefährdeter denn je.

Spinnen wichtig für Ökosystem

Eine Studie von Münchner Forschern zeigt: Innerhalb von zehn Jahren sind etwa ein Drittel aller Insekten- und Spinnenarten ausgestorben. Für Spinnenforscher und Ökologe Klaus Birkhofer ein Grund zur Sorge. Denn Spinnen sind wundersame Tiere. Es gibt sie in allen Farben, Formen und Größen. Sie existieren überall auf der Welt und haben sich die unterschiedlichsten Lebensräume erschlossen. Und in unserem Ökosystem spielen sie eine Schlüsselrolle, sagt Spinnenforscher Klaus Birkhofer von der Uni Cottbus. Denn trotz Image-Problem leistet die Spinne uns treue Dienste.

"Spinnen leisten eine Dienstleistung für uns Menschen, für die wir nichts bezahlen und nichts tun."
Klaus Birkhofer, Ökologe

Ohne die Achtbeiner könnten sich Insekten stark vermehren und Pflanzen würden darunter leiden. Sie fressen Schädlinge in der Forst- und Landwirtschaft, und halten uns die Stechmücken vom Leib. Das räuberische Treiben der Spinnen bewahrt das ökologische Gleichgewicht, sagt Klaus Birkhofer.

"Spinnen sind so zahlreich in vielen Ökosystemen, dass sie da einen ganz wesentlichen Beitrag zur Unterdrückung von Plagegeistern, Krankheitsüberträgern und Pflanzenschädlingen leisten."
Klaus Birkhofer, Spinnenforscher

Die fleischfressenden Krabbeltiere haben großen Appetit: 400 bis 800 Millionen Tonnen an Insekten fallen ihnen jährlich zum Opfer. Damit fressen Spinnen jedes Jahr mindestens genauso viel Fleisch wie alle Menschen weltweit – und nehmen so eine wichtige Stellung in unserem Ökosystem ein.

"Spinnen essen etwa so viel oder mehr, wie wir Menschen weltweit an Fleisch und Fisch konsumieren. Etwa 400 bis 800 Millionen Tonnen an Insekten werden von Spinnen jedes Jahr getötet."
Klaus Birkhofer, Uni Cottbus

Mensch zerstört Lebensraum

In Deutschland stehen mittlerweile rund 300 der 1000 heimischen Spinnenarten auf der Roten Liste. Denn der Mensch zerstört immer weiter den Lebensraum der Krabbeltiere: Intensive Landwirtschaft mit Pestiziden und Insektiziden vernichtet nicht nur ihre Nahrungsquelle, sondern auch ihr Zuhause. Viele Spinnen finden keine geeigneten Orte mehr, um ihre Netze zu bauen, sagt Klaus Birkhofer.

"Viele Spinnen leben im Boden oder bodennah, konstruieren durchaus dauerhaft ihre Netze. Wenn da ein Traktor durchfährt, dann ist das auch vorbei."
Klaus Birkhofer, Spinnenforscher

Ähnlich wie bei den Bienen wäre ein Volksbegehren "Rettet die Spinnen" also längst überfällig – dank des schlechten Images aber eher unwahrscheinlich.