Raumfahrtbehörden wollen auf den Ernstfall vorbereitet sein: Sie testen, einen Asteroiden zu treffen. Eine Raumsonde soll ihn von seinem Kurs abbringen.

Dass ein großer Asteroid auf die Erde trifft, der zu großen Schäden oder gar einer Katastrophe führen kann, ist relativ unwahrscheinlich – aber eben nicht ausgeschlossen. Die US-amerikanische und die europäische Weltraumbehörden Nasa und Esa wollen deshalb so gut es geht vorbereitet sein: Sie testen eine Möglichkeit, einen Asteroiden so von der eigentlich Bahn abzulenken, dass er an der Erde vorbei fliegt.

Die Idee: In der Mission namens "Aida" soll im Jahr 2022 eine 500 Kilogramm schwere Raumsonde auf dem Mond eines Asteroiden einschlagen – mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde, das sind rund 22.000 Kilometer pro Stunde (zum Vergleich: die Typische Reisegeschwindigkeit eines Passagierjets beträgt rund 850 Kilometer pro Stunde).

Nasa will Asteroiden rammen

Die Raumsonde soll auf das Asteroid-Mond-System eine so große Kraft ausüben, dass

  • auf dem Mond ein großer Krater entsteht
  • und Asteroid und Mond von ihrer eigentlich Bahn abgelenkt werden.

Die Einschlags-Raumsonde wird von der Nasa gestellt, die Esa kommt einige Jahre später ins Spiel. Sie schickt dann eine weitere Raumsonde zum Asteroiden, die das Ergebnis dokumentiert: Wie groß ist der Krater? Und haben Asteroid und Mond wirklich ihre Richtung geändert?

"Auf den Fall, dass ein großer, bedrohlicher Asteroid wie aus dem Nichts plötzlich auftaucht, den man vorher nicht entdeckt hatte, möchte man sich gründlich vorbereiten."
Michael Büker, Astrophysiker

"Einige Wissenschaftler hätten es gerne gehabt, dass die Raumsonden gleichzeitig losfliegen", sagt Astrophysiker Michael Büker. Für den zeitlichen Abstand zwischen Einschlags- und Untersuchungs-Raumsonde macht Michael in erster Linie "Koordinierungsprobleme" zwischen Nasa und Esa verantwortlich. Aber: Das hat auch Vorteile.

Die Erfahrung aus anderen astronomischen Versuchen zeigt, dass aufgewirbelter Staub manchmal die Sicht so trübt, dass kaum etwas zu erkennen ist. Dieses Problem wird es wohl nicht geben, weil die Beobachtungs-Sonde so viel später ankommt. "Außerdem zeigt sich nach einer gewissen Zeit besser, ob sich die Bahn des Asteroiden wirklich verändert hat", sagt Michael.

Alles schon verfilmt worden

Das Szneario, dass Asteroiden die komplette Menschheit gefährden, ist schon diverse Male verfilmt worden. Einer der bekanntesten Film ist "Armageddon – Das jüngste Gericht" aus dem Jahr 1998. Und tatsächlich ist der Grundplot ähnlich: Ein Asteroid muss davon abgehalten werden, auf die Erde zu treffen.

Allerdings unterscheiden sich Film und Wirklichkeit dann doch sehr stark: Während jetzt versucht wird, mit einer 500 Kilogramm schweren unbemannten Sonde einen kleinen Asteroiden zu treffen, wurde im Film der Asteroid von einer Atombombe gesprengt, die in einem von Menschen vor Ort gebohrten Bohrloch platziert wurde.